gottlos in Bremen http://gottlosinbremen.blogsport.de " die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik." Karl Marx 1844 Wed, 16 Oct 2019 21:45:47 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Thesen zum Islamismus http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/09/20/thesen-zum-islamismus/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/09/20/thesen-zum-islamismus/#comments Fri, 20 Sep 2019 12:51:33 +0000 Administrator Allgemein http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/09/20/thesen-zum-islamismus/ 01. Oktober 2018 Von La Banda Vaga

Seit den Terroranschlägen von Al-Qaida am 11. September 2001 und der Schreckensherrschaft des Islamischen Staats (IS) im Irak und in Syrien ist der Islamismus auch im Westen zu einem Dauerthema der politischen Auseinandersetzung geworden. Längst hat der bärtige Islamist den bösen Russen als zentrales Feindbild im Hollywood-Kino abgelöst, und kaum ein Abend vergeht, an dem nicht in einer Talkshow über die weltpolitische Bedrohung durch den islamistischen Terror diskutiert wird. Die journalistische und wissenschaftliche Flut an Interpretationen und Theorien ist kaum noch zu überschauen, lediglich brauchbare materialistische Analysen tauchen wenn überhaupt nur vereinzelt auf. Darum erscheint es uns dringend notwendig eine linke Debatte über das Wesen des Islamismus und den Umgang damit in Gang zu setzen.
Die folgenden Thesen stellen unseren vorläufigen Diskussionsstand zum Thema Islamismus dar. Sie verstehen sich als historisch-materialistische Analyse, die den Islamismus durch einen Blick auf seine Geschichte und seine sozialen, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu verstehen versucht. Dieser Ansatz führt unseren Blick nicht nur, aber in starkem Maß, auf den Iran. Mit dessen „islamischer Revolution“ bzw. korrekterweise Konterrevolution betrat der Islamismus im Jahr 1979 zum ersten Mal als eigenständige Macht die Weltbühne. Als einflussreiches „Erfolgsmodell“ des Islamismus bildet er trotz aller (nicht zuletzt konfessionellen) Differenzen auch eine Wurzel für den gegenwärtigen Terror und die Staatsbildungsversuche des IS. Die islamische Konterrevolution im Iran ist darüber hinaus auch Beispiel der Verwandlung des bewegungsförmigen Dschihadismus in ein islamistisches Staatsprojekt. Diese Fokussierung auf den Iran soll jedoch nicht über die Bedeutung von mit dem Westen verbündeten Regimen hinwegtäuschen. Gerade Saudi-Arabien – einer der wichtigsten Partner der Bundesrepublik und der USA im Nahen-Osten – war und ist ein zentraler Akteur bei der Finanzierung islamistischer Organisationen weltweit.1
Eine Bewegung ist dementsprechend erst dann islamistisch, wenn sie den Anspruch hat eine alternative Wirklichkeit zu den bestehenden Verhältnissen zu schaffen, die sozialen Strukturen, kulturellen Normen und ökonomische Basis der Gesellschaft weitgehend entsprechend islamistischen Doktrinen umzugestalten.
Dabei verstehen wir den Islamismus nicht einfach als eine besonders rigide oder gewaltsame Lesart des Islam. Schon gar nicht ist der Islamismus ein archaisches Überbleibsel, ein Rückgriff auf das Mittelalter. Ganz im Gegenteil sehen wir im Islamismus vielmehr ein modernes Phänomen, das versucht auf reale und scheinbare Fehlentwicklungen des kapitalistischen Weltsystems zu reagieren. Eine Bewegung ist dementsprechend erst dann islamistisch, wenn sie den Anspruch hat eine alternative Wirklichkeit zu den bestehenden Verhältnissen zu schaffen, die sozialen Strukturen, kulturellen Normen und ökonomische Basis der Gesellschaft weitgehend entsprechend islamistischen Doktrinen umzugestalten. In diesem Sinne muss der Islamismus als Antwort auf die allumfassenden Wandlungserscheinungen der kapitalistischen Entwicklung selbst totalitär sein. Ein aktuelles Beispiel eines solchen idealtypischen Islamismus ist der IS. Viele Bewegungen und Parteien sind jedoch Mischformen zwischen islamistischen und autoritär-islamischen Elementen. So lassen sich bei der türkischen AKP sicherlich islamistische Tendenzen beobachten, allerdings spielt der Islam dabei nur die Rolle einer ideologischen Säule neben anderen und steht nicht kategorisch über allen anderen Interessen. Anders als bespielsweise im Iran, wo auch die Judikative den islamistischen Rechtsgelehrten – den Mullahs – untersteht. Diese Beschreibung des Islamismus als moderne Bewegung, welche die Verhältnisse in ihrer Totalität umzustürzen versucht, meint jedoch nicht, dass wir in ihn irgendeine revolutionäre Hoffnung setzten. Der Islamismus ist, als menschenverachtende, reaktionäre Antwort auf die Verhältnisse, die Inkarnation der Konterrevolution. Das wollen wir im Folgenden mit unseren Thesen belegen:
1. Der Islamismus ist ein Phänomen der kapitalistischen Krise. So fällt der Aufstieg des Islamismus in den Kontext der Weltwirtschaftskrise von 1929. Die erste bekannte und bis heute relevante islamistische Bewegung, die Muslimbruderschaft, gründete sich zwar schon 1928, gewann aber erst im Zusammenhang mit der Krise an Bedeutung. Auch die spätere Renaissance des Islamismus mit dem Höhepunkt der „Islamischen Revolution“ im Iran 1979 findet in den siebziger Jahren parallel mit dem erneuten weltweiten Kriseneinbruch statt. Und auch heute, nach der erneuten Zuspitzung der Krise seit 2007, expandiert der Islamismus als reaktionäre Antwort auf diese Krise und richtet sich gegen die Moderne, die Aufklärung und alle linken Ideen als vermeintliche Ursachen der Krise.
Eng verknüpft ist dies mit antisemitischer Propaganda. Der grassierende Antisemitismus in Frankreich infolge der Dreyfuss-Affäre erreichte schon Ende des 19. Jahrhunderts auch die Kolonien, wo vor allem arabische Christen Übersetzungen antisemitischer Texte ins Arabische verfassten und publizierten2. Das europäische Exportgut des modernen Antisemitismus wurde mit antijudaistischen Ideen der Koranauslegung verknüpft und so zu einem wichtigen Bezugspunkt für die Muslimbruderschaft und alle weiteren islamistischen Gruppen. Der Hass auf Juden war so auch vor der Gründung des Staats Israel wichtiger Bestandteil islamistischer Gruppen. Schuld an allem Elend seien demnach nicht die Produktionsverhältnisse, so der Tenor, sondern verborgene Strippenzieher der westlichen Moderne, die man mit Jüdinnen und Juden, Linken und allen progressiven Kräften identifizierte. Die islamistischen Organisationen können mit diesen personalisierten Krisenerklärungen gerade dann Zulauf gewinnen, wenn die Verelendung im Zuge der kapitalistischen Modernisierung zunimmt.
Da die aktuelle kapitalistische Krise jedoch weder nur ein vorübergehendes noch ein zu begrenzendes Phänomen, sondern systemischen Ursprungs ist, lässt sich nicht davon ausgehen, dass der Islamismus als reaktionäre „Krisenlösungsstrategie“ wieder an Attraktivität verliert. Es muss also nicht nur der Islamismus, sondern es müssen auch die Ursachen der Krise bekämpft werden, um gegen die islamistische Gefahr erfolgreich sein zu können.
2. Der Islamismus ist ein Phänomen des Scheiterns der sogenannten nachholenden kapitalistischen Entwicklung. Er ist also ein genuin modernes Phänomen, das in reaktionärer Weise auf die destruktiven Pathologien des kapitalistischen Weltsystems antwortet. Hierauf verweisen auch die Entwicklungen im Iran. Dieser erlebte in den 1950er bis 1960er Jahren eine rasante Kapitalisierung, die letztlich jedoch nur einer kleinen Oberschicht um den Schah zu Reichtum verhalf. Der Schah schaffte es nicht die breite Masse der Bevölkerung über eine Integration in das System zu befrieden und hielt seine Herrschaft mit westlicher Unterstützung fast gänzlich mit Hilfe eines Gewaltapparats aufrecht. Im Iran wurde durch die Kapitalisierung der Gesellschaft zwar tendenziell „alles Ständische und Stehende verdampft“, jedoch erfüllte sich das Versprechen der hochindustrialisierten Nationen des Nordens, die „Welt nach ihrem eigenen Bilde“ zu formen, dort nicht. Das heißt nicht, dass die Modernisierung im Sinne des kapitalistischen Weltsystems scheiterte – der Iran funktionierte als Rohstoff-Lieferant und Absatzmarkt durchaus – vielmehr sind die damit einhergehenden integrativen Versprechungen des Kapitalismus nicht erfüllt worden. In ähnlicher Weise verhielt es sich mit den arabischen staatssozialistischen Regimes in Syrien, Libyen, Ägypten und Algerien: Allesamt scheiterten sie daran einen Prozess der Hochindustrialisierung in Gang zu setzen. Eine „Entwicklung“ im Sinne einer Integration der dortigen Bevölkerung über die Verheißungen des Konsums ist in Zeiten permanenter kapitalistischer Krise deshalb auch langfristig nur schwer vorstellbar. Die sogenannte Unterentwicklung großer Regionen des politischen Südens ist genauso Teil des kapitalistischen Weltsystems wie der relative Wohlstand in den Zentren. Nicht zuletzt angesichts dieser strukturellen Desintegration entdeckten viele Staaten des Nahen Ostens den Islam als integrative Kraft, um die gesellschaftlichen Probleme wenn schon nicht zu lösen, so doch ideologisch zu überdecken.
3. Der Islamismus ist ein Phänomen der Ausweitung der „Überschuss-Bevölkerung“3. Die Klassenstruktur der meisten islamistischen Bewegungen wird durch das klassenübergreifende Bündnis aus einzelnen Protagonisten des Kapitals, Teilen der Mittelschicht und einer großen Anzahl an (städtischen) Armen gekennzeichnet. Hierbei treten erstere meist als Geldgeber*innen und nur selten als Aktivist*innen  in Erscheinung.  Die Kader und besonders fanatischen Mitglieder entstammen dahingegen oft der Mittelschicht, während die große Masse der Bewegung aus den zum Teil nur temporär mobilisierbaren  verarmten Massen besteht.
Als die staatssozialistischen Entwicklungskonzepten unter Mohammed Mossadegh im Iran 1953 durch einen von der CIA unterstützten Putsch beendet wurden, kam es unter dem nun erneut an die Macht gelangten prowestlichen Schah-Regime zu einer brutal durchgeführten Modernisierung inklusive antifeudaler Agrarreform. Dies führte in den 1960er und 70er Jahren zur Freisetzung großer Teile der Landbevölkerung, welche jedoch nur zu einem kleinen Teil Arbeit in den neu entstandenen Fabriken fanden4. Es entstand eine urbane Massenarmut in Slums. Diese meist jungen, städtischen Armen sollten später eine der zentralen Stützen des islamistischen Umsturzes werden5. Das Fußvolk der Islamist*innen rekrutiert sich aus dem riesigen Heer der für das Kapital Überflüssigen. Für weite Teile der Bevölkerung gibt es keine Perspektive in einer Region, in der jegliche kapitalistische Entwicklung mit einem gewissen Wohlstandsniveau gescheitert ist. Der vermeintlich westliche Kapitalismus hat nichts mehr zu bieten, genauso wenig wie die etatistische Linke; somit bleiben als Hoffnung und Utopie oft nur die islamistischen Versprechen. Beim Sturz des Schahs im Iran waren es zwar die Geistlichen und ein Teil der Mittelschicht, welche die islamische Elite stellten, gleichzeitig waren es aber vor allem die Massen der Abgehängten€œ aus den Slums, welche die islamistische Konterrevolution unter großem Blutzoll letztendlich durchsetzten.
Das Zustandekommen dieses Klassenbündnisses aus Mittelschicht, Intellektuellen und Geistlichen einerseits, sowie der großen Zahl aus städtischen Armen, kann auch durch die gezielte karitative Ausrichtung der islamistischen Bewegungen verstanden werden. Oftmals stellen die von Islamist*innen betriebenen Suppenküchen und Nahrungsmittelausgaben  die einzige Möglichkeit für die verarmte urbane Bevölkerung dar ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Vor allem in Ägypten füllt die Muslimbrüderschaft gerade jene Lücke, die der Staat mangels Sozialhilfe offen lässt. Auch im Bildungssektor, der von staatlicher Seite in vielen muslimischen Staaten sehr selektiv vor allem Kindern der Mittel- und Oberschicht zugänglich ist, schaffen es islamistische Bewegungen über Koranschulen Kinder der Unterschicht für ihre Sache zu gewinnen – denn diese Koranschulen stellen häufig die einzigen Institutionen dar, in denen Kinder des Surplus-Proletariats lesen und schreiben lernen können. Schließlich fungieren Moscheen in vielen diktatorischen Systemen, wie dem Irak Saddam Husseins, dem Iran unter dem Schah oder dem syrischen Assad-Regime, als einziger Ort, an dem Kritik an den Machthabern geäußert werden konnte und kann. Gerade hier in den Moscheen schafften es radikal-islamistische Geistliche die Kritik an den Regimen in die Bahnen eines Dschihad zu lenken und die Gläubigen zu radikalisieren. Insofern stellen viele Moscheen, neben den Koranschulen und karitativen Projekten, die Brücken dar, über welche das islamistische Klassenbündnis errichtet wird6.
Der Islamismus ist ein Phänomen der Niederlage der Linken.
Dieses Klassenbündnis zeichnet auch die Strukturen des IS aus, der sich als Projekt der solidarischen Religionsgemeinschaft versteht. Dass prozentual gesehen, die meisten ausländischen Rekruten lange Zeit aus dem krisengebeutelten Tunesien kamen, überrascht nicht. Bei ihnen handelte es sich um junge arbeitslose Männer, welche sich im Kontext des politischen Aufstiegs und Fall der Ennahda-Bewegung radikalisierten und nun nach einem direkten Betätigungsumfeld suchen. Die offizielle Jugendarbeitslosigkeit lag bei über 40% (2016) und gerade bei den männlichen Jugendlichen scheint sich vermehrt das zynische Bild durchgesetzt zu haben, man habe lediglich zwischen einer Flucht nach Europa oder dem IS zu wählen. Indem der IS seinen Rekruten regelmäßige gesicherte Monatsgehälter versprach, stellte er für viele junge Tunesier einen realen Ausweg aus der Perspektivlosigkeit dar. Im Gegensatz zu dem eher elitären wie exklusiven terroristischen Netzwerk al-Qaida adressiert der IS als Bewegung und junges Staatsprojekt ‚‘alle'‘ Sunnit_innen und überdies gezielt jene, welche aufgrund von Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung neuen Halt suchen. Zugleich bietet er, anders als al-Qaida, ein konkretes Handlungsfeld an: der direkte Kampf und Staatsaufbau in Syrien und im Irak7.
4. Der Islamismus ist ein Phänomen der Niederlage der Linken. Damit ist zweierlei gemeint: Erstens, dass der Aufstieg des Islamismus seit den 1970er Jahren nur vonstatten gehen konnte, weil es gleichzeitig zu einer globalen Schwächung linker oder sich als links verstehender Bewegungen kam. Schon zu Zeiten des Sturzes des Schahs im Iran hatten die noch ein Jahrzehnt davor so virulenten sozialistischen Vorstellungen aus verschiedenen Gründen an Ausstrahlungskraft verloren. Piran Azad etwa, der an der iranischen Revolution beteiligt war, antwortete in einem Interview mit der ak auf die Frage, warum die Islamist*innen so einflussreich werden konnten: „Außerdem war die sozialistische Perspektive durch die Politik der Sowjetunion und der Volksrepublik China, die nationalistische Strömung durch die korrupten Staaten im Nahen Osten diskreditiert.“8 In das Vakuum, das die Linke seit den 1970er Jahren weltweit hinterlassen hat, stieß der Islamismus hinein, weil er sich als vermeintliche einzige kämpferische Alternative zum Kapitalismus ausgeben konnte.
Zweitens ist auch regional zu beobachten, dass auf den Niedergang linker Bewegungen im arabischen Raum oft islamistische Bewegungen folgten. Ein Beispiel dafür ist die zumindest nominell „sozialistische“ PLO in Palästina, die seit Mitte der 1960er Jahre über zwanzig Jahre lang einen Alleinvertretungsanspruch für die Palästinenser*innen aufrechterhalten konnte. Ab Ende der 1980er Jahre hingegen musste die PLO ihren Einfluss mehr und mehr an die islamistische Hamas abtreten, wodurch es parallel zu einer „Islamisierung“ der Palästinenser*innenfrage kam.
Zugleich dominiert in vielen Teilen der islamistischen Bewegungen die bis dato „linke“ Rhetorik des antikolonialen/antiimperialistischen Kampfes. So wurde der IS in seiner hauseigenen Publikation ‚‘Dabiq'‘ nicht müde zu betonen,  dass er sich selbst als vermeintlicher erfolgreicher Gegner westlicher Militärinterventionen und der in dessen Zuge ausgelösten humanitären Katastrophen begreift. Indem dort die westlichen Staaten durchweg als Kreuzritter (crusaders) angesprochen werden, zeichnet der IS ein Bild des Clash of Culture oder eines Religionskrieges. Der IS versteht sich daher unter anderem als Reaktion auf die sogenannte Tyrannei der „Ungläubigen“, des imperialistischen Westens,  und daher als Kämpfer für die Belange der Unterdrückten und geknechteten Muslime: „€žAny disbeliever standing in the way of the Islamic State will be killed, without pity or remorse, until Muslims suffer no harm and governance is entirely for Allah.“9 Die Anschläge nehmen aus dieser Binnenperspektive den Charakter eines „Befreiungskampfes“ an, einer Selbstermächtigung, eines Empowerments gegen die kapitalistische Moderne, welcher bisher vor allem eine „linke“ Position darstellte.
Auch wenn wir den Islamismus für die wesentlich schlimmere Alternative halten, geht es uns mit dieser These nicht darum, die „antiimperialistischen“ Bewegungen der 1970er Jahre  nachträglich zu glorifizieren. Viele dieser Bewegungen waren nationalistische Entwicklungsdiktaturen oder wären es geworden, sobald sie an die Macht gelangt wären, und trugen auch in anderer Hinsicht reaktionäre Züge. Dennoch ging vom Versprechen einer sozialistischen Zukunft in diesen Ländern eine emanzipatorische Hoffnung aus, deren Verschwinden heute ein politisches Vakuum hinterlässt, das durch den vollends reaktionären Islamismus „ausgefüllt“ wird.
Wo islamistische Kräfte an Einfluss gewinnen, werden Frauenrechte, wenn vorhanden, untergraben und durch eine patriarchale Gesellschaftsordnung ersetzt
5. Der Islamismus ist ein patriarchales Projekt.
Sowohl ideologisch als auch funktional repräsentiert der Islamismus eine reaktionäre Geschlechterideologie. Ideologisch verspricht er autoritären Charakteren psychische Stabilität durch die freiwillige und lustvolle Unterordnung unter ein rigides System patriarchaler Werte.
Insbesondere jungen Männern, die zu traditionellen Ernährern erzogen wurden und in der Realität deklassiert und perspektivlos einer Entwertung ihrer Lebensentwürfe entgegenblicken, bietet der Islamismus ein Gefüge, das ihnen das Gefühl des Scheiterns durch das des Triumphs zu ersetzen verspricht. In seinen Bewegungsphasen bedient der Islamismus das Bedürfnis autoritärer Persönlichkeiten nach einer konformistischen Rebellion. Die „unsislamische“ Herrschaft der „verwestlichten“ Regierungen soll durch eine „göttliche Ordnung“ ersetzt werden, der sich die Islamist_innen lustvoll unterwerfen können. In islamistischen Regimen, wie im Iran, exitiert dieses rigide-gesellschaftliche System bereits. Dieses verspricht seinen Anhänger_innen Sicherheit in einer als verunsichernd empfundenen Welt. Dem sadomasochistischen Charakter (Fromm) wird dort Rechnung getragen, in dem die Einzelnen sich dort einerseits einer strikten Hierarchie unterwerfen können und andererseit gegen Menschen vorgehen dürfen, die sich „unislamische“ verhalten, indem sie etwa das Kopftuch nicht korrekt tragen. So kann sich der Islamismus als radikale Alternative zur kapitalistisch-liberalen Moderne präsentieren, indem er „fundamentalistisch“ auf die Verunsicherungen reagiert, die mit gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen einhergehen.
Der Islamische Staat im Irak und in Syrien ist heute die äußerste Form dieser Politik gewordenen „€žMännerphantasie“ (Theweleit): Dort werden junge Männer durch die Erwartung rauschhafter Gewaltorgien im Kampf gegen die „Ungläubigen“ ebenso angelockt wie gar durch die Aussicht auf ungestrafte Vergewaltigungen oder Versklavungen von Frauen. Mag es sich dabei um ein Maß an Hass und Zerstörungswut handeln, das nicht alle islamistischen Bewegungen anpreisen oder überhaupt offiziell gutheißen, so ist es doch eine mögliche Folge einer autoritären Triebunterdrückung und Negierung der eigenen Lust, die allen patriarchalisch auftretenden Bewegungen gemein ist.
Obwohl Frauen im Islamismus in noch größerem Maße zur Selbstkontrolle gezwungen sind, kommt ihnen kein ähnliches Versprechen zu. Frauen haben in diesem System also eigentlich nichts zu gewinnen. Sie beteiligen sich mitunter aber trotzdem daran, weil sie zumindest psychisch vom Ordnungsversprechen des Islamismus profitieren, das ihnen einen festen Platz in der Weltordnung zuweist und dadurch Orientierung bietet. So machen Frauen laut BKA immerhin ein Fünftel der aus dem Westen Rekrutierten aus.
Wie viel sie dabei zu verlieren haben, zeigt gleichwohl ein Blick auf die geschlechterpolitischen Maßnahmen im Einflussbereich islamistischer Kräfte. Die frauenverachtende Praxis des Islamischen Staats mit Vergewaltigung und Sklaverei bedarf hier keiner weiteren Ausführung. Im Iran, der in dieser Hinsicht angesichts der großen Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben noch oft als besonders fortschrittlich angeführt wird, wurden nach der Revolution Maßnahmen zur Geschlechtertrennung eingeführt, insbesondere die allgemeine Kopftuchpflicht. Islamistisch motivierte Säureattacken auf unverschleierte Frauen wurden zuvor stark in der Öffentlichkeit thematisiert, um die Bereitschaft zur freiwilligen Unterordnung durch Angst zu fördern und finden noch heute regelmäßig statt, ohne scharf geahndet zu werden. Während das Kopftuch vor und während der Revolution auch von nichtmuslimischen Frauen freiwillig als Widerstandssymbol getragen wurde, machte es der neue Iran zur erdrückenden Pflicht. Dass Frauen im Iran in vielen gesellschaftlichen Sphären aufsteigen können, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies im Rahmen des Wohlgefallens des Revolutionsführers geschieht und jederzeit zurückgenommen werden kann. Wo sich Frauen im Iran nicht an die Kleiderordnung und die Benimmregeln der islamistischen Führung halten, da können sie sich so wenig in der Öffentlichkeit bewegen wie in Saudi-Arabien oder anderswo.
Wo islamistische Kräfte an Einfluss gewinnen, werden Frauenrechte, wenn vorhanden, untergraben und durch eine patriarchale Gesellschaftsordnung ersetzt. Die Männerphantasien der Islamisten auf der einen Seite und die Entrechtung der Frauen auf der anderen gehören unauflöslich zusammen.
6. Der Islamismus wurde durch das Scheitern des arabischen Frühlings gestärkt. Zunächst waren die Proteste des sog. „Arabischen Frühlings“ nicht islamistisch geprägt, sondern hatte eine explizit säkulare, bzw. soziale Stoßrichtung. In Ägypten haben die Muslimbrüder ihren Mitgliedern anfangs sogar verboten an den Protesten gegen das Mubarak-Regime teilzunehmen, erst als ihre Jugendorganisation das Verbot ignorierte und das gesellschaftliche Ausmaß der Proteste klar wurde, beteiligten sich auch die Muslimbrüder. Nach dem Sturz des Diktators kamen ihnen ihre unter Mubarak etablierten Strukturen zugute und ebenso die Fokussierung auf Wahlen, so dass sie den Schwung der Bewegung nutzen konnten um an die Macht zu gelangen. Die ursprüngliche Protestbewegung und deren Inhalte wurden dagegen von ihnen bekämpft. So gab es etwa massive organisierte Übergriffe gegen Frauen auf dem Tahrir-Platz, als Reaktion auf die in der Revolte erkämpften Freiheiten. Die ägyptischen Islamist*innen sind Konterrevolutionäre, die aber die revolutionäre Stimmung gegen die Mubarak-Diktatur ausnutzen konnten. Ähnliches gelang auch den Islamist*innen in anderen arabischen Ländern, wie in Syrien und auch schon in der Vergangenheit, etwa bei den im Zuge der IWF-Strukturprogrammen ausgebrochenen Food-Riots 1988 in Algerien.
 
Gerade der große Zustrom desillusionierter und radikalisierter junger Männer zum IS kann ohne das Scheitern des arabischen Frühlings nicht ausreichend erklärt werden. So bedeutete einerseits die Zuspitzung der Proteste in Syrien zum Bürgerkrieg ein neues Betätigungsfeld für den IS und zugleich vermochte er die diskriminierten sunnitischen Bevölkerungsteile für seinen anti-schiitischen Kampf zu gewinnen. Überdies schuf das Scheitern der Proteste und die damit verbundene Desillusionierung weiteren Nährboden für die fortschreitende Expansion des IS ab 2013 im Irak wie in Ägypten, Tunesien und Libyen. In Hinblick auf letzteres zeigt sich gegenwärtig, dass die an NATO-Offensiven beteiligten Staaten nicht etwa Verantwortung für das hinterlassene Machtvakuum übernehmen und die, nicht zuletzt dadurch zur Flucht gezwungenen, Menschen aufnehmen. Im Gegenteil entblödet sich beispielsweise die BRD nicht, auch noch „Grenzdeals“ mit autoritär geführten Staaten abzuschließen, aus deren Flüchtlingslagern von Folterungen und übelsten Bedingungen berichtet wird.
7. Der Islamismus ist ein Mittel imperialistischer Machtpolitik. Die Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran etwa benutzen ihre Auslegung des Islams (Sunna vs. Schia) immer auch als Mittel zur geostrategischen Hegemoniebildung in der Region. Dabei stellen beide Konkurrenten ihre Koranauslegung als die einzig wahre dar und bezichtigen ihren Gegenspieler der Abweichung. Dies führt zu ständigen Konflikten, von der jährlichen Wallfahrt nach Mekka bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen wie derzeit in Syrien und im Jemen, wo die vom Iran finanzierten schiitischen Huthi-Rebellen gegen die sunnitische Regierung, unterstützt durch eine von Saudi-Arabien geführte Koalition, kämpfen.
Nach der Festigung des islamistischen Regimes im Iran begann dessen Führung, sich außenpolitisch gegen den Irak und Saudi-Arabien zu richten – der „Heilige Krieg“ diente in diesem Konflikt als Begründung und Legitimierung dieser geostrategischen Interessen. So wurde etwa der irakische Machthaber Saddam Hussein in der feindlichen Propaganda als „Ungläubiger“ diskreditiert und reagierte darauf seinerseits mit einer ideologischen „Islamisierung“ seiner Herrschaft. Beispielhaft dafür ist die Veränderung der irakischen Staatsflagge: seit dem zweiten Golfkrieg steht im Mittelstreifen der Flagge „Allahu Akbar“ geschrieben, anscheinend in der Handschrift Saddam Husseins persönlich – so die offizielle Staatspropaganda unter Hussein. Ein anderes Muster der „Islamisierung“ politischer Konflikte ließ sich am Vorabend des syrischen Bürgerkriegs beobachten: Dort versuchte der syrische Machthaber Assad, regierungsfeindliche Organisationen gezielt von außen zu „islamisieren“ (etwa durch General-Amnestien für Islamist*innen), um sie anschließend umso besser als islamistische und damit terroristische Organisationen bekämpfen zu können. Auch die Unterstützung des IS und anderer islamistischer Organisationen durch die Türkei stellt eine geostrategische Politik der regionalen Machtausweitung durch gezielte Instrumentalisierung des Islamismus dar. All diese Beispiele verdeutlichen, dass islamistische Bewegungen trotz ihrer Eigendynamik immer auch in imperialistische Politik und die Dynamiken der Staatenkonkurrenz eingebettet sind.
8. Der Islamismus wurde und wird durch das Vorgehen des Westens gestärkt. Eine der Hauptlegitimationen und Attraktionen des Islamismus ist dessen „Widerstand gegen den Westen“. Dies geschieht sowohl auf ideologischer Basis (Kampf gegen die „westliche Dekadenz“), als auch ganz praktisch im Kampf gegen westliche Besatzung, wie im Irak oder Afghanistan oder durch westliche Militärpräsenz, wie etwa in Saudi-Arabien. Diese Militärpräsenz nahe der „heiligen Städte“ spielte ideologisch für die Entstehung Al Quaidas eine sehr bedeutende Rolle. Der islamistische Widerstand wurde und wird allerdings auch durch das Vorgehen der westlichen Staaten selbst befördert. Dabei ist es noch nicht einmal nötig bis auf die Geschichte des Kolonialismus zurückzugehen, in der sich natürlich auch zahlreiche Beispiele finden lassen, es genügt ein Blick in die letzten Jahrzehnte. Die brutalen Kriege im Mittleren Osten unter Beteiligung westliche Militärallianzen haben zu großer Verbitterung innerhalb der Bevölkerung geführt. Von grausamen Folterzentren, wie in Abu Ghuraib über das skrupellose Vorgehen privater „Sicherheitsfirmen“ bis zur einseitigen Unterstützung korrupter Kriegsherren hat sich der Westen dort nicht mit Ruhm bekleckert. Das Ergebnis der kriegerischen Auseinandersetzungen sind verwüstete Regionen und sog. failed states, wie Libyen, Somalia und Teile des Iraks und Afghanistans, in denen die Islamisten ihre Gegenherrschaft etablieren können. Doch auch eine direkte Unterstützung islamistischer Gruppen, wenn es in das strategische Konzept passte, wurde von westlichen Staaten gewährt. Das bekannteste Beispiel in diesem Zusammenhang ist natürlich die Förderung der Mujaheddin in Afghanistan im Kampf gegen die Sowjetunion. Aus diesen Strukturen entstand dann nach dem Abzug der Roten Armee das Terrornetzwerk Al Quaida. Wer deshalb seine Hoffnung im Kampf gegen den Islamismus auf den aufgeklärten Westen setzt, scheint zumindest unter historischer Kurzsichtigkeit zu leiden.
9. Der Islamismus ist eine reaktionäre Bewegung, die sich explizit gegen alle Ideen einer emanzipatorischen Politik richtet. Jedwedes Bündnis mit islamistischen Kräften, und sei es noch so strategisch, verbietet sich damit für eine emanzipatorische Linke. In der iranischen Revolution verbündete sich die iranische Linke im Zuge einer Art „Volksfront“ mit der islamistischen Bewegung, um mit ihr gemeinsam gegen den Schah zu kämpfen. Kaum war dieser gestürzt, wurden sie selbst zu Opfern der Islamist_innen, von denen sie nicht nur politisch, sondern auch physisch niedergeschlagen wurden: So wurde nicht 1979, das Jahr des Sturzes des Schah-Regimes, sondern 1982 das blutigste Jahr der Revolution, als die Islamist_innen ihre linken ehemaligen Verbündeten massenhaft ermordeten. Eine Verharmlosung des Islamismus aus Angst, die antimuslimischen Rassismus im Westen zu stärken und zu befördern, ist vor diesem Hintergrund ebenso fehl am Platz wie die „antiimperialistische“ Verklärung des Islamismus zu einer antikapitalistischen Bewegung, wie sie zumindest in Teilen der Linken bis heute anzutreffen ist. Einschätzungen, die im Iran den „Schiiten-Sozialismus der Khomeinisten“ erblickten (so etwa die Redaktion der Zeitschrift „Autonomie“), mögen, aufgrund der schlechten Informationslage, zumindest im Jahr 1979 noch halbwegs erklärbar gewesen sein; wer aber auch im Jahr 2016 noch zum „(kritischen) Dialog mit Islamisten“ aufruft, weil „moderate islamistische Akteure und Linke gerade in Fragen sozialer Gerechtigkeit durchaus gemeinsame Werte“ hätten (wie es im Klappentext einer Publikation der Rosa-Luxemburg Stiftung unter dem Titel „Dialog mit dem Islam II“ heißt), kann sich beim besten Willen nicht mehr auf Unkenntnis berufen, wenn er oder sie den Islamismus zu einer Bewegung für soziale Gerechtigkeit umdeutet. Auch wenn die Befürwortung einer direkten Zusammenarbeit mit islamistischen Organisationen in der deutschsprachigen Linken eher eine Ausnahme darstellt, kommt es sehr häufig zu einer Relativierung des Islamismus. Solche Positionen – ob aus falsch verstandenem Antirassismus oder eines Antiimperialismus, der bei aller Kritik den Islamismus doch als legitime Abwehr gegen den westlichen Imperialismus versteht – führen dazu, dass die Kritik am und die Analysen des Islamismus meist bürgerlichen oder reaktionären Fraktionen vorbehalten bleibt.
10. Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Islamismus schweigen.
Im gleichen Maße, wie wir uns gegen ein Bündnis mit islamistischen Akteuren oder die Verharmlosung des reaktionären Gehalts des Islamismus richten, halten wir eine Politik des  kleineren Übels für falsch. Darunter verstehen wir eine von Teilen der Linken betriebene Taktik einer „Volksfront gegen den Islamismus“, also die Zusammenarbeit mit bürgerlichen, staatlichen oder „moderat“ islamischen Organisationen, Verbänden und Institutionen. Auch wenn die Anpassung oft nicht bewusst vollzogen wird, führt diese Taktik letztlich zu einer Aufgabe der eigenen Positionen. Sicherlich: der Genozid des Islamischen Staats an den Jesid*innen im Irak, die massenhafte Ermordung, Vergewaltigung und Versklavung von Menschen, aber auch die brutalen Terrorangriffe auf der ganzen Welt sind Verbrechen, die sich unter keinen Umständen wiederholen oder fortsetzen dürfen. Wo der Islamismus gewalttätig auftritt, kann ihm deshalb nicht ohne Gegengewalt begegnet werden. Doch wenn man den Islamismus als Phänomen der kapitalistischen Moderne sieht, so kann eine emanzipatorische Antwort darauf nicht sein, den Status Quo, unter welcher Bezeichnung auch immer, zu verteidigen. Natürlich erscheint es bei der heutigen Schwäche der Linken illusorisch, dem Islamismus einen emanzipatorischen Kommunismus gegenüberstellen zu wollen; mindestens genauso utopisch ist jedoch die Vorstellung es gäbe die realistische Chance „unsere“ Verhältnisse auf die ganze Welt zu übertragen: Eine solche Politik verkennt, dass die bürgerliche Gesellschaft in den Metropolen hierzulande einen historischen Sonderfall darstellt. Die, wie es im bürgerlichen Jargon heißt, Unterentwicklung großer Regionen der Welt ist eben genauso Teil der herrschenden Verhältnisse, wie die bürgerliche Demokratie in der Bundesrepublik. Der Kapitalismus hatte über 100 Jahre Zeit Regionen wie Syrien zu „entwickeln“ und hat dies nicht geschafft. – Warum sollte es ihm nun in Zeiten einer permanenten Krise gelingen? Eine Linke, die so viel Kreide frisst, bis sich ihre Flugblätter wie etwas akademischere Texte der Bundeszentrale für Politische Bildung lesen, ist im Endeffekt nicht besonders realistisch und damit vermeintlich relevant, sondern verteidigt nur die Ursachen der Barbarei. Einer Linken, die Relevanz für sich beansprucht, hat es nie gut zu Gesicht gestanden ihre emanzipatorischen Inhalte hinter dem Bündnis mit der bürgerlichen Demokratie zu verbergen. Schlussendlich heißt die Frage auch beim Islamismus „Kommunismus oder Barbarei“.
1. Gilles Kepel, Das Schwarzbuch des Dschihad. Aufstieg und Niedergang des Islamismus. Übers. Bertold Galli. Vorwort des Autors zur dt. Ausgabe. Piper, München 2002.
2. Bernard Lewis, Semites and Anti-Semites. An Inquiry into Conflict and Prejudice. W.W. Norton, New York 1986, S. 132f.
3. Durch den Zuwachs an Produktivität und dem daraus folgenden Überfluss an Gütern fallen die Profitraten für die Kapitalisten, die deshalb dazu gezwungen sind durch technische Innovationen den Anteil der menschlichen Arbeit im Produktionsprozess zu verringern. Somit wächst die Zahl der Arbeitslosen, die folglich für das Kapital „überflüssig“ geworden sind und die deswegen hier als „Überschuss-Bevölkerung“ bezeichnet werden. Ausführlicher wird das in „Elend und Schulden: Zur Logik und Geschichte von Überschussbevölkerungen und überschüssigem Kapital“ in der 4. Ausgabe des kosmoprolet beschrieben: http://kosmoprolet.org/de/kosmoprolet-4.
4. Siehe dazu das Interview mit Piran Azad zu „Von der Massenautonomie zum islamischen Staat. Ein Interview über die Revolution von 1979 und ihre Folgen im Iran“, Zeitschrift Analyse & Kritik (541): hxxp://www.akweb.de/ak_s/ak541/20.htm.
5. Vgl. Lafif Lakhdar: Warum der Rückfall in den islamistischen Archaismus; abrufbar unter Kosmoprolet.org
6. Vgl. Chris Harman: The Prophet and the Proletariat. The Class Base of Islamism; abrufbar unter: marxists.de/religion/harman/pt02.htm
7. Ausführlicher beschreiben wir die Entstehung des IS in „Kehrseite der kapitalistischen Moderne. Der Islamische Staat – eine materialistische Analyse“, Zeitschrift Analyse & Kritik (623): hxxp://wurst.labandavaga.org/images/b/b4/Der_Islamische_Staat_-_eine_materialistische_Analyse.pdf.
8. Siehe Piran Azad, vgl. Fußnote 4
9. Dabiq 14, S.4.

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SPD für Kirche und autoritären Staat http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/03/25/spd-fuer-kirche-und-autoritaeren-staat/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/03/25/spd-fuer-kirche-und-autoritaeren-staat/#comments Mon, 25 Mar 2019 18:31:52 +0000 Administrator Allgemein http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/03/25/spd-fuer-kirche-und-autoritaeren-staat/ Die SPD verschärft die Gangart gegen die parteiinternen Zusammenhänge säkularer Sozialdemokrat*Innen. Die SPD Führung will Staatsräson durchsetzen.
Seit 10 Jahren mühen sich säkulare Sozialdemokrat*innen darum innerhalb der SPD als offizielle Arbeitskreise auf Landes-, bzw. Bundesebene anerkannt zu werden. Bislang haben alle Parteivorstände dieses Ansinnen deutlich zurückgewiesen. Der jetzige Vorstoß von Generalsekretär Klingbeil unter der Vorsitzenden Andrea Nahles will den jetzt öffentlich aber immer noch informell agierenden Parteizusammenhängen in ca. 12 Bundesländern und auf Bundesebene die Führung der Bezeichnung „SPD“ oder „Sozialdemokraten“ verbieten. Die persönliche Überzeugung von Parteichefin Frau Nahles als gläubige Katholikin, die ihrem Kind regelmäßig aus der Bibel vorliest, dürfte dabei nicht den Ausschlag gegeben haben.
Die SPD unter Kanzler Schröder hat hinlänglich bewiesen, dass ihr das Wohl des Staates und des Wirtschaftsstandorts wichtiger ist, als die Belange der Mehrheit der Menschen. Anders ist die Durchsetzung der Agenda 2010 inklusive Rentenkürzungen, Hartz IV und massiven Steuersenkungen für Unternehmen und Reiche nicht zu erklären.
Jeder Staat in dem die Herrschaft und Hegemonie der Besitzenden gegen die Mehrheit der Bevölkerung gesichert werden muss, benötigt dafür repressive Einrichtungen wie Polizei, Gerichte, Finanzämter, Knäste usw. Aber Herrschaft funktioniert reibungsfreier, wenn sie auf Akzeptanz und freiwilliger Unterwerfung beruht. Dazu bedarf es ideologischer Apparate, die in der Lage sind mittels Ideologievermittlung und „Erziehung“ die Hegemonie der herrschenden Gruppe zu sichern.
Die Kirchen haben als ideologische Stütze von Herrschaft eine lange Tradition und ihre Eignung dafür Jahrhunderte lang bewiesen. Die Einsetzung von Königen und Kaisern durch Päpste und Bischöfe verfestigte deren Macht ebenso wie die Ausführungen von Martin Luther, der die Unterwerfung der Christen unter die weltliche Herrschaft predigte.
Christliche Erziehung impliziert und befördert eine autoritäre Denkweise. Ein Gott als oberster Schiedsrichter weltlicher Belange, als Rache ausübende Instanz, die Verfehlungen mit Hölle oder Vernichtung ahndet, zwingt die Gläubigen geradezu sich fortlaufend geistig zu unterwerfen. Mit fast jeder Beichte oder jedem Gottesdienst wird diese Unterwerfung neu eingeübt und trainiert. Da Gott nicht existent ist, wird diese Rolle von seinem Bodenpersonal, den Bischöfen und den Päpsten ausgeübt.
Die Kirchen haben in den modernen Industriegesellschaften ihr Monopol als zentraler ideologischer Apparat verloren. Gab es vor Jahrhunderten nur kirchliche Universitäten und Schulen, sind diese heute überwiegend staatlich organisiert.
Die Kirchen sind aber immer noch die mit deutlichem Abstand größten zivilgeselllschaftlichen Organisationen in Deutschland. Fast 3 Millionen Menschen sind regelmäßige Gottesdienstbesucher*innen oder in kirchliche Gruppen eingebunden.
35 Prozent aller Kinder werden in kirchlichen Kindergärten christlich geimpft. Es gibt massenhaft kirchliche Schulen und Hochschulen. Ohne bischöflichen Segen gibt es keine Professur an staatlichen Universitäten für Theologie.
Der deutsche Staat weiß diese Dienste zu schätzen; er zieht den Kirchen die Steuern ein und sponsert die mittelalterlichen Ideologievermittler autoritären Denkens, zusätzlich mit ca. 20 Milliarden Euro jährlich. Der Staat schafft den Kirchen mit dem Zugang ins Schulsystem (Religionsunterricht) Möglichkeiten der Ideologievermittlung. Im eigenen Interesse.
Das Ansinnen der säkularen Sozialdemokraten, die die wirkliche Trennung von Kirche und Staat fordern und die Zurückdrängung religiöser und christlicher Wertevermittlung propagieren, zielt also faktisch auf eine der zentralen Säulen der Herrschaftssicherung in Deutschland. (Wer etwa die Abschaffung von Gerichtsvollziehern, Zwangsvollstreckung und Gefängnisaufenthalt bei Zahlungsverweigerung fordert, stellt faktisch das Privateigentum in Frage)
Auch wenn die Einrichtung der säkularen Sozialdemokrat*innen als offizielle Arbeitskreise in der SPD zunächst als schlichte Einforderung des demokratischen Rechts auf Organisierung von Nichtgläubigen aussieht und damit völlig banal erscheint; tatsächlich stellt es eines der zentralen Elemente bürgerlicher Herrschaftssicherung, die Beziehung zwischen Staat und seinen größten Erziehungseinrichtungen, den Kirchen, in Frage.
Der Parteivorstand der SPD handelt konsequent. 1914 hat sich die SPD an die Seite des Kaisers gestellt (Bewilligung der Kriegskredite) und diesen Kurs der Staatstreue und Sicherung der Herrschaft der besitzenden Klassen bis heute fortgesetzt. Die Einheit von Kirche, Staat und Kapital wird von der SPD Führung nicht in Frage gestellt. Deshalb gebietet es diese Staatsräson die Organisierungsansätze von säkularen Sozialdemokrat*innen zu unterbinden.
Angesichts des wankenden kirchlichen Arbeitsrechts und drastisch steigender Austrittszahlen aus den Kirchen, ein Schritt der Parteiführung, der Frau Nahles sicherlich irgend wann einmal einen päpstlichen Orden verschafft.

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Die Evangelikalen in Bremen http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/02/07/die-evangelikalen-in-bremen/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/02/07/die-evangelikalen-in-bremen/#comments Wed, 06 Feb 2019 23:34:10 +0000 Administrator Allgemein Evangelikale http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/02/07/die-evangelikalen-in-bremen/ Die Evangelikalen – sie stehen fest entschlossen hinter Donald Trump, sie unterstützten den Faschisten Bolsonaro auf seinem Weg zum Präsidenten Brasiliens, in einigen afrikanischen Ländern machen sie Jagd auf Schwule, sie organisieren die Märsche für das Leben und wettern gegen den „Genderwahn“. Sie lesen die ganze Bibel als wörtliche Anleitung für das Leben. Die Ehe für alle ist ihnen ein Greul. Ulrich Parzany, Peter Hahne und Olaf Latzel sind einige ihrer Aushängeschilder.

 Bremen gilt als ihre norddeutsche Hochburg. Wer sind die Evangelikalen in Bremen, wie sind sie organisiert und wer von ihnen sitzt in Bürgerschaft und Parteien?
Eine erste Analyse.

Als Evangelikale werden gemeinhin besonders bibeltreue, konservative evangelische Christen bezeichnet. Innerhalb der weltweiten evangelischen Glaubensrichtung bilden die Evangelikalen die absolute Mehrheit. Die Evangelikalen sind in örtlichen Allianzen bis hin zur weltweiten Evangelischen Allianz, dem Zusammenschluss oder Netzwerk der Evangelikalen, organisiert. Von ca. 720 Millionen evangelischen Christen gehören etwa 630 Millionen zu den Kirchen innerhalb der Evangelischen Allianz. Die wohl bekanntesten evangelikalen Kirchen sind die Pfingstkirchen und die Baptisten.
Gegen zahlreiche ihrer Kirchenverbände ist die katholische Kirche noch moderat konservativ. Die besonders missionarischen und reaktionären Vorstöße kommen in der Regel aus den Reihen der Evangelikalen.

Relativ liberale Positionen sind eine Besonderheit einiger nordeuropäischer evangelischer Kirchen. Weltweit stellen sie damit eine kleine Minderheit innerhalb der evangelischen Weltkirchen dar. Daraus resultiert auch die zweite Besonderheit, dass die konservativen Kirchengemeinden innerhalb der EKD gleichzeitig auch der Evangelischen Allianz angehören. Vier bis fünf deutsche evangelische Landesbischöfe sind dem evangelikalen konservativen Spektrum zuzurechnen. Insgesamt gibt es ca. 1,3 Millionen Mitglieder der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) mit Schwerpunkten in Sachsen und Baden Württemberg und auch regional in Hessen, Mecklenburg Vorpommern und Bremen.
Die DEA ist ein Zusammenschluss von Kirchen innerhalb der EKD und den Freikirchen, Baptisten und Pfingstlern, Methodisten, der Heilsarmee, des CVJMs, um die Bekanntesten zu nennen.

Die Bremische Evangelische Allianz (EVAB) umfasst ca. 70 Gemeinden, Gruppen und Sozialwerke in Bremen. Sie sind in vielen Fragen kein homogener Block. Ihre gemeinsamen Grundpositionen sind in der aktuell überarbeiten Fassung der DEA zusammengefasst. Darüber gibt es weitere Kirchengemeinden, die dem evangelikalen Spektrum zuzurechnen sind wie die Mormonen, in Bremen die Methodisten und zahlreiche Zuwander*innengemeinden, die keinem Verbund angehören und sich überwiegend noch an den Strukturen und Inhalten der Herkunftsländer orientieren. Von den 16 freikirchlichen Pfingstgemeinden in Bremen gehören nur 5 der Evangelischen Allianz an. Die evangelische Allianz hat in den letzten Jahren Zulauf durch zahlreiche neue Kirchengemeinden von Zuwander*innen vor allem aus Westafrika erhalten.

Innerhalb der DEA gibt es das relevante, besonders konservative, bibeltreue Netzwerk „Bibel und Bekenntnis“, angeführt vom Prediger Ulrich Parzany. Zu den Bremer Anhängern gehören die Pastoren Rüdiger Kurz (Abrahamgemeinde Mitglied der BEK) und Olaf Latzel (Martinigemeinde, Mitglied der BEK).
Grundsätze der Deutschen Evangelischen Allianz:

Wir bekennen uns
· Wir glauben an den dreieinen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er hat die Welt
erschaffen, er liebt sie und erhält sie. Darin zeigt er seine Souveränität und Gnade;
· Der Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverwechselbare Würde. Er ist als
Mann und Frau geschaffen.
· ….
Die Bibel, bestehend aus den Schriften des Alten und Neuen Testaments, ist Offenbarung
des dreieinen Gottes. Sie ist von Gottes Geist eingegeben, zuverlässig und höchste Autorität
in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung. (aus: Glaubensbasis der Evangelischen Allianz vom 2. September 1846, überarbeitet 2018)
Demnach ist auch folgende Aussage des Alten Testamentes für Evangelikale eine Richtschnur. Heidnische Völker, die dir nicht dienen wollen, sollen umkommen und ihr Land soll verwüstet werden. (Bibel, Jes 60,12)

Darüber hinaus hat die DEA zu einigen aus ihrer Sicht wichtigen Fragen Positionspapiere erarbeitet.

Deutsche Evangelische Allianz beschließt Leitgedanken zu Ehe und Homosexualität.

Ehe als gute Stiftung Gottes

Die Deutsche Evangelische Allianz hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Frage nach dem Verhältnis des christlichen Glaubens zur Homosexualität beschäftigt. …..
Die Frage nach der Bewertung von Homosexualität wollen wir – wie andere ethische und theologische Fragen – auf der Grundlage der Heiligen Schrift klären. Sie ist für uns das geschriebene Wort Gottes und verbindlicher Maßstab in allen Fragen des christlichen Glaubens und der Lebensführung.

Im Blick auf Homosexualität sind uns drei Kernpunkte wichtig:

1. Menschen sind nach biblischem Zeugnis im Bild Gottes als Mann und Frau geschaffen (1Mose 1, 26.27). Hierin liegt ihre unverwechselbare Identität und Würde. Dem entspricht die Ehe als eine gute Stiftung Gottes, in der Mann und Frau einander ganzheitlich – inklusive der geschlechtlichen
Gemeinschaft – zugeordnet sind (1. Mose 2, 24; Matthäus 19, 4-6; Epheser 5, 31.32). Die eheliche Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau ist lebenslang, exklusiv und offen für Kinder. Sexualität wird immer als Gabe und Aufgabe, Geschenk und Verantwortung zugleich gesehen, die in der durch die Sünde geprägten Welt verantwortlich gelebt werden muss (Römer 12, 2; Galater 1, 4; 1. Johannes 5, 19). Eheloses Leben wird nach biblischem Verständnis als Gabe und vollwertige
Alternative zur Ehe gewertet (1. Korinther 7, 7 – 9).

2. Die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis ist mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar (3. Mose 18, 22; 20,13; Römer 1, 24 – 27; 1. Korinther 6, 9; 1. Timotheus 1, 10).

Daraus ziehen wir die Schlussfolgerung, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können. Mit denjenigen, die in Bezug auf Homosexualität anders denken, bleiben wir im Dialog.“ (aus: Erklärung der Evangelischen Allianz vom 29. September 2017 zur Homosexualität)

Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben. (Bibel 3. Buch Mose 20,13)

2 Die Verbindungen zwischen Evangelikalen und der Rechten (AFD und andere)
Erhebliche Verbindungen bestehen zwischen Rechten und Evangelikalen, natürlich auch erzkonservativen Katholik*innen im Forum deutscher Katholiken (Gloria von Turn und Taxis) in inhaltlichen Fragen, vor allem einer ausgeprägten Islamophobie, gegen den sogenannten Genderwahn und damit für das Patriarchat, gegen Schwule und Lesben, gegen die Ehe für alle und für ein absolutes Abtreibungsverbot. Bei den Märschen für das Leben, der „Demo Für Alle“ stehen sie Seit an Seit. Das „Netzwerk Christen in der AfD“ besteht personell überwiegend aus Aktivist*innen von Freikirchen. Die AfD positioniert sich im Bundestag als Vertreterin der in anderen Ländern verfolgten Christenheit.
Ein Beispiel ist die massive mediale Unterstützung des evangelikalen Predigers Olaf Latzel durch das zentrale Ideologieorgan der Rechten, der Jungen Freiheit, aus dem Jahre 2015. Olaf Latzel stand wegen seiner Predigt zur Lobpreisung des einzig wahren Gottes und der damit verbundenen Herabwürdigung anderer Götter in der öffentlichen Kritik. Die Junge Freiheit machte ein ausführliches Interview mit Latzel und der Chefredakteur, Dieter Stein, brachte in einem Kommentar seine Begeisterung für Latzel und seine Positionen zum Ausdruck.
Kommentar Dieter Stein in Junge Freiheit vom 26.2.2015:
Warum bin ich eigentlich noch Mitglied in der evangelischen Landeskirche? Es ist manchmal zum Verzweifeln. Beschäftigen sich Pfarrer, Gemeinden und Amtskirche doch lieber mit Klimawandel, fairem Handel, Gender-Ideologie, Homo-Ehe oder interreligiösem Dialog – statt den Missionsbefehl zu befolgen. Man könnte die Kirchensteuer glatt direkt an Grüne und SPD überweisen.
Wenn es nicht Pastoren gäbe wie Olaf Latzel, der mit einer Brandrede Anfang des Jahres die Bremische Evangelische Kirche und die EKD in Aufruhr versetzt hat. Latzel, der wie der Reformator Martin Luther dem Volk aufs Maul geschaut hat, las seinen Schafen in einer halbstündigen Predigt die Leviten und erinnerte sie daran, daß es für Christen nur einen Gott gibt und die Vermengung oder beliebige Gleichsetzung mit anderen Religionen, zumal dem Islam, unvereinbar ist….Höchste Zeit für eine neue Reformation der Kirche im Geiste Luthers.
Diese geistige Verbundenheit fand ihren Ausdruck auch wiederholt darin, dass führende Vertreter der Evangelischen Allianz, wie DEA Generalsekretär Steeb der JF Interviews gaben bzw. der ehemalige Chefredakteur des Zentralorgans der Evangelikalen „Idea“ Helmut Matthies für die Junge Freiheit Artikel und Kommentare verfasste.
Die Evangelikalen schwimmen im Geld. Zu ihren Sponsoren und Förderern gehören etwa der Schuhkettenbetreiber Deichmann, Faber Kastell, dem Unternehmensberater Norman Rentrup. Auf ihren zweijährlich stattfindenden Kongressen für christliche Führungskräfte tummeln sich bis zu 3000 zumeist männliche Unternehmer und Manager.
Auch zahlreiche Bundespolitiker*innen und Staatsbeamte gehören zu ihnen. Ex–CDU/CSU Fraktionschef Kauder, der Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamtes für Migration Weise sowie die FDP Generalsekretärin Beer .
Die Vernetzung der Evangelikalen und entsprechender konservativer Katholik*innen mit der politischen Rechten findet in ganz Europa statt. Viktor Orban ist gern gesehener Gast auf christlichen Konferenzen. Steve Bannon tourt mit Kardinal Müller und Gloria von Turn und Taxis.
Folgender Link enthält einen guten Hintergrundbericht zur Vernetzung in Europa: http://www.taz.de/efr/2/

3 Die Organisationen der Evangelikalen in Bremen
3.1. Evangelikale Gemeinden und Gemeinschaften innerhalb der Evangelischen Kirche (BEK)
1. Abraham-Gemeinde Anna-Stiegler-Straße 124 Kattenturm Kita
2. Ev. Gemeinde St. Johannes Am Sodenmatt 34 Huchting Kita
3. Ev. Gemeinde zu St. Martini Martinikirchhof 3 Innenstadt
4. Ev. Hohentorsgemeinde Bremen Hohentorsheerstraße 15-17 Neustadt
5. Ev. lutherische Epiphaniasgemeinde Bardowickstraße 83 Vahr Kita
6. Ev. St. Markus-Gemeinde Arsterdamm 12 Arsten Kita
7. Ev. St. Matthäus-Gemeinde Hermannsburg 32e Huchting Kita
8. Landeskirchliche Gemeinschaft Bremen Waller Heerstr. 197 Walle
9. Landeskirchliche Gemeinschaft Blumenthal Neuenkirchener Weg 22 Blumenthal

3.2 Freikirchen in der Evangelischen Allianz
1. Bibelgemeinde Kurt-Georg-Kiesinger Allee 6 Arsten
2. Freie Christengemeinde Bremen Am Mohrenshof 1 Habenhausen Pfingstler
3. Christus-Gemeinde (FeG) Vahr Otto-Braun-Straße 2 Vahr
4. Christus-Gemeinde (FeG) Walle Norderneystraße 5 Walle
5. Ev. Freikirche Gemeinde Gottes Woltmershauser Str. 298 Woltmershausen
6. Freie Christengemeinde Ecclesia Bremen Große Johannisstr. 141 Neusstadt Pfingstler
7. Freie Ev. Brüdergemeinde Bremen Lehrer-Lämpel-Weg 1 Vahr
8. Hoffnungskirche Zietenstraße 59 Walle Baptisten
9. Kreuzgemeinde Bremen Hohenlohestraße 60 Schwachhausen Baptisten
10. Paulusgemeinde Habenhauser Dorfstr. 27-31 Habenhausen KdöR
11. Zellgemeinde Bremen An der Weide 50A Innenstadt
12. Auferstehungsgemeinde Hindenburg Str. 1 Lesum
13. Christusgemeinde Cranzer Straße 22 Blumenthal Baptisten
14. Reformierte Kirche Rekum Pötjerweg 73 Blumenthal / Rekum
15. Freie Christengemeinde AGAPE Schönebecker Straße 15 Vegesack Pfingstler
16. Gemeindezentrum Arche Dillener Straße 96 Blumenthal Pfingstler
17. Haus der Begegnung Schwarzer Weg 92 Gröpelingen Pfingstler
18. Die Heilsarmee Geschwornenweg Neustadt

Zur Evangelischen Allianz gehören weitere 20 Gemeinden von Zuwander*innen, die überwiegend die Räumlichkeiten der Allianz Kirchen aber in einigen Fällen auch von BEK Kirchen nutzen, die nicht in der Allianz organisiert sind.

3.3 Evangelikale außerhalb von BEK und EVAB
Die 16 Pfingstgemeinden in Bremen:
1. Christliche Gemeinde – CCOM Schwarzer Weg 94B Gröpelingen
2. Freie Christengemeinde AGAPE Schönebecker Straße 15 Grohn EVAB
3. Freie Christengemeinde Oslebshs. Oslebshauser Landstraße 18 Oslebshausen
4. Gemeindezentrum Arche Dillener Straße 96 Rönnebeck
EVAB
5. Church of Pentecost (COP) (PIWC) Birkenstraße 34 Innenstadt
6. Pfingstgemeinde – Christ Foundation Birkenstraße 34 Innenstadt
7. Deutsch-Brasil. Gemeinde Bremen Friedrich-Ebert-Straße 35 Neustadt
8. Freie Christengemeinde ECCLESIA Große Johannisstraße 141 Neustadt EVAB
9. Christengem. Word of Faith Chapel e.V. Drakenburger Straße 42 Hastedt
10. Christengemeinde Die Quelle Findorffstraße 26 Findorff
11. Church of Pentecost (COP) Neukirchstraße 86 Findorff
12. Haus der Begegnung – Christengemeinde Schwarzer Weg 92 Gröpel. EVAB
13. Pfingstgem. – Bethel Prayer Ministry International e.V.
AmMohrenhof 1 Habenhausen
14. Freie Christengemeinde Bremen Am Mohrenshof 1 Habenhs. EVAB
15. Pfingstgemeinde Ev. Chris. Assemblies Soester Straße 42a Habenhausen
16. Pfingstgemeinde – The Joy of the Lord Ministry e.V.
Graubündener Straße 12-14 Osterh.-Tenever

3.4 Andere Evangelikale oder fundamentalistische Sekten und Kirchen
1. Mormonen Ricarda Huch Weg Findorff KdöR
2. Methodisten Georg Gleistein Str. 1 Vegesack KdöR

4 Sozialwerke der Evangelikalen
Soziale Diakonische Tätigkeiten haben bei den evangelischen Christen ein lange Tradition. Sie hat immer den Aspekt des „Gottesdienstes“ als auch den Aspekt der Missionierung. Mit den Tätigkeiten für die Menschen sollten diese zum Christentum bekehrt und für die richtige Kirchenströmung gewonnen werden. Im mittelalterlichen Europa besorgte die Kirche die gesamte Armenversorgung und große Teile des Gesundheitswesens. Der Gründer der „Inneren Mission“ Heinrich Wichern bezeichnete diese 1848 als bewaffneten Arm der Kirche gegen die (bürgerliche) Revolution. Eine für damalige Verhältnisse sehr deutliche Ansage, welchen missionarischen und politischen Zweck der Ausbau der evangelischen Wohlfahrt dienen sollte.
Die Mainstreamkirchen Westeuropas, insbesondere die Wohlfahrtseinrichtungen der evangelischen Kirche mit ihren zahlreichen Krankenhäusern, Alteneinrichtungen, Pflegediensten und Jugendhilfeträgern benehmen sich wie ihre weltlichen Konkurrenten auf dem Dienstleistungsmarkt der Wohlfahrts- und Gesundheitsindustrie. Allein die evangelikalen Kirchenverbände treten mit ihren Einrichtungen noch offensiv missionarisch auf.

4.1 Evangelikale im Diakonischen Werk Bremen
Das Diakonische Werk ist der zentrale Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche. Dieser gehört zu den sechs anerkannten deutschen Wohlfahrtsverbänden. Einrichtungen und Vereine, die dort Mitglied sind, erhalten dadurch die Gemeinnützigkeit. d.h. erhebliche Steuervorteile, da Überschüsse nicht besteuert werden.
Die Sozialwerke der Evangelikalen, das heißt im Klartext missionarische Einrichtungen zur Verbreitung des bibeltreuen Christentums, sind überwiegend innerhalb des Diakonischen Werkes organisiert.
Mehrere bekannte evangelikale Organisationen gehören dem Diakonischen Werk an: Es sind die Heilsarmee, der CVJM, die christliche Elterninitiative, das Evangelische Freikirchliche Diakoniewerk. Der CVJM gehört bundesweit zur Evangelischen Allianz, jedoch nicht in Bremen.
Die Christliche Elterninitiative ist als Betreuungsinitiative zur Verhinderung von Abtreibungen entstanden. Sie gehört zum harten Kern der Evangelikalen und erfreut sich steter Aufmerksamkeit von Olaf Latzel. Die Christliche Elterninitiative unterhält ein Wohnheim mit 15 Appartements. Mit dem Sozialressort der Stadt Bremen gibt es eine Pflegesatzvereinbarung für das Betreuungspersonal und die Bewirtschaftung. Darüber hinaus hat die christliche Elterninitiative drei Kindergruppen im Bremer Westen, die ebenfalls vom Senator für Soziales finanziert werden.
4.2 Evangelikale Einrichtungen außerhalb des Diakonischen Werkes
Das Sozialwerk der freien Christengemeinden, zugehörig den Bremer Pfingstkirchen, unterhält fünf Kindertageseinrichtungen, 3 Wohnprojekte, eine Tagesstätte, mehrere bereute Wohngemeinschaften und eine Reha Einrichtung. Angeschlossen ist die Privatschule Mentor und ein „Christlicher Sportverein“.

Das Sozialwerk der Pfingstler gehört dem Paritätischen Wohlfahrtsverband an. Die Beschäftigtenzahl aller Einrichtungen liegt bei ca. 200 Personen. Es ist die größte evangelikale Einrichtung in Bremen.
Nahezu alle Einrichtungen werden über Pflegesatzvereinbarungen der Krankenkassen bzw. Zuwendungen der Stadt Bremen finanziert.
Zig Millionen Euro aus allgemeinen Steuermitteln für Schwulenheiler.

Das Christliche Reha Haus in Kattenturm ist eine Wohn- und Pflegeeinrichtung mit ca. 100 Plätzen und 50 Beschäftigten. Es gehört der Evangelischen Allianz an. Die Einrichtungen werden über Pflegesätze der Krankenkassen und der Rentenkasse finanziert.

Das Catherinenstift ist ein Alten- und Pflegeheim in Schwachhausen und ist der Evangelischen Allianz angeschlossen.

Bei Neues Land Christliche Drogenhilfe (Sielwall 51) handelt es sich um ein Café und eine Wohneinrichtung mit 6 Hauptamtlichen. Das Wohnheim wird über Pflegesätze der Stadt finanziert. Mitglied er Evangelischen Allianz und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
Das Schwarze Kreuz ist eine Einrichtung zur Betreuung von Häftlingen und ist Mitglied in der Evangelischen Allianz.
5 Schulen
5.1 Freie Evangelische Bekenntnisschule (FEBB)
Die Freie Evangelische Bekenntnisschule an der Habenhauser Brückenstraße gilt als die größte evangelikale Schule in Deutschland. Für den Stadtteil hat sie mit ihrem Grundschulableger und der Oberstufe in der Steinsetzerstraße den Charakter einer Regelschule für den Stadtteil angenommen. Während in Bremen nicht einmal 10 Prozent aller Schüler*innen einen Privatschule besuchen, sind es in Habenhausen, dem Umfeld der FEBB, immerhin 30 Prozent. An der FEBB werden insgesamt 1500 Schüler*innen unterrichtet..
Zugehörig ist eine Grundschule in der Vahr.
Im Biologieunterricht ist die darwinschen Evolutionslehre nur deshalb Teil des Lehrplans, weil dies im staatlichen Abitur gefordert ist. Sonst gilt die Schöpfungslehre.

5.2 Privatschule Mentor
Die Privatschule Mentor (Schwarzer Weg Gröpelingen) gehört zum Sozialwerk der Freien Christengemeinden, Pflingstler hat insgesamt 150 Schüler*innen.

6 Kindergärten
Die Kirchen begreifen ihre Kindergärten als zentrales Missionsinstrument. Dies gilt sowohl für die BEK als auch insbesondere für die evangelikalen Einrichtungen.
Als Beleg für diese These seien hier einige kurze Passagen aus den Konzepten kirchlicher Einrichtungen zitiert. Auf der Webseite der Matthäus Gemeinde (BEK und Evangelische Allianz) in Huchting ist zu lesen:
Dass wir ein evangelischer Kindergarten sind, spiegelt sich in den Inhalten unserer täglichen Arbeit wieder. Eingebunden in eine verantwortliche Pädagogik, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert, sollen sie hören und erleben, dass sie von Gott geliebt werden. Wichtig ist uns hierbei, dass Kinder die bei uns angemeldet sind, an religionspädagogischen Angeboten wie z.B. Kindergartengottesdienste und „Kinderstunden“ in denen biblische Geschichten, Gebete und christliche Inhalte vermittelt werden, teilnehmen.
Bei der Kirchengemeinde Sodenmatt (BEK und Ev. Allianz) hört sich dieser Missionsauftrag wie folgt an:
Auf einfache und spannende Weise lernen die Kinder in altersdifferenten Gruppen einmal in der Woche Geschichten aus der Bibel kennen. Auch das Beten und der Gottesdienst gehören zur religiösen Erziehung.
Stellenausschreibung der Abraham Gemeinde (BEK und Evangelische Allianz) für ihren Kindergarten aus dem Jahre 2015:
In Zusammenarbeit mit dem Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder suchen wir für die Kindertageseinrichtung Abraham zum 01.06.2015 eine/n staatlich anerkannte/n Erzieher/In oder
eine/einen staatlich anerkannte/n Sozialpädagogin/en als Einrichtungsleitung unbefristet mit 38,50 Wochenstunden.
Das Arbeitsverhältnis erfolgt in Zentralanstellung bei der Bremischen Evangelischen Kirche und enthält
anteilige Gruppendienststunden.
Zu Ihren Aufgaben gehören:….

 Pädagogische und religionspädagogische Kompetenz
 Einsatzbereitschaft, Belastbarkeit, Organisationstalent und Kreativität
 Klares Bekenntnis zu inhaltlichen Grundlagen und Anliegen der Ev. Allianz.

Aus den oben zitierten Beschreibungen und Stellengesuchen ist eindeutig ersichtlich: Es handelt sich um evangelikale Missionseinrichtungen von evangelikalen Kindergärten innerhalb der BEK und der Evangelischen Allianz. Der ausdrückliche Verweis auf ein „klares Bekenntnis“ zu den Inhalten der evangelischen Allianz zeigt: hier sollen Kinder nach dem Weltbild der Evangelikalen erzogen werden, was unvermeidlich zu Homophobie, Ausgrenzung von sexuellen Orientierungen, zum Patriarchat und Anerkennung der Obrigkeit führen wird.

Insgesamt werden 5 solcher Kindergärten innerhalb der BEK und 6 bis 7 in anderen Einrichtungen von Evangelikalen durch die Stadt gefördert. Die Förderhöhe der Einrichtungen liegt bei etwa 90 Prozent.

Zu den evangelikalen Kindergärten gehört auch der Verbund – Cekis – mit insgesamt 5 Kindertageseinrichtungen. Es können dort jeweils zwischen 50 und 70 Kinder aufgenommen werden. Sie sind an die Pfingstkirchen angebunden. Alle Kindergärten werden von der Stadt grundsubventioniert. Auf der Cekis Webseite wird bereits mit der Beitragsfreiheit für die Eltern ab Herbst 2019 geworben. Zwei Kindergärten befinden sich in Gröpelingen, je einer in Walle, der Neustadt und Habenhausen. Damit dürfte dann aus allgemeinen Steuermitteln eine Grundimpfung in Homophobie erfolgen.
Und da bekommen die Kleinen dann aus der Bibel folgendes vermittelt, denn die ganze Bibel, das Neue und das Alte Testament sind das Wort Gottes.

Und Mose wurde zornig über die Hauptleute des Heeres, die Hauptleute über tausend und über hundert, die aus dem Feldzug kamen, und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? (4. Mose 31,14-15)
So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben. (4. Mose 31, 17-18)

7 Der Vorstand der Evangelischen Allianz Bremen
In Bremen hat die evangelische Allianz einen örtlichen Vorstand, der sich annähernd paritätisch aus Vertretern der Freikirchen und der evangelikalen Gemeinden innerhalb der Evangelischen Kirche zusammensetzt.

1 Vors. Andreas Schröder Matthäus G BEK
2 stellv. Ingo Bröckel Paulusgemeinde (die Schwulenheiler Zwei)
3 Schriftf. Rüdiger Kurz Abraham BEK Bibel und Bekenntnis
4 Schatzm. Mathias Jander St Markus BEK
5 weit. Vorst. Michael Heitmann Frei Christenge. Br Pfingstler
6 Marco van der Velde Christengemeinde Walle FeG
7 Jugend Fabian Backhaus Epiphanias BEK

8 Evangelikale in der Politik
Zu den bekanntesten Evangelikalen in der Bremer Politiklandschaft gehören:
- Elisabeth Motschmann Bundestagsabgeordnete der CDU (Martinigemeinde)
- Siegrid Grönert Bürgerschaftsabgeordneter der CDU (Paulusgemeinde)
- Eleombo Boyalele Bürgerschaftsabgeordneter der SPD (St. Markus)
- Birgit Bergmann Bürgerschaft, jetzt FDP, gewählt über die CDU Liste (Matthäus Gem.)

Anzumerken ist, dass die Bürgerschaftsabgeordneten von ihren Parteien auf hinteren Listenplätzen positioniert wurden.
Allein das Wahlverfahren mit der Möglichkeit zur Vergabe von 5 Personenstimmen machte dieses Ergebnis möglich. Die Listenplätze auf die Parteien hätten bei gleichem Wahlausgang nur dem SPD Mitglied Elombo Bolayela (Markusgemeinde) einen Platz in der Bürgerschaft gesichert. Sigrid Grönert, schon in der letzten Legislaturperiode in der Bürgerschaft (Paulusgemeinde/Freikirche in Obervieland) wurde von der CDU auf Platz 19 gesetzt. Mit den Personenstimmen kam sie auf Platz 14. Einen noch größeren Satz machte Birgit Bergmann (Matthäus Gemeinde) auf der CDU Liste von Platz 27 auf Platz 16, der gerade noch für den Einzug in den Landtag ausreichte. Für beide hätte es nach der CDU Nominierung nicht gereicht. Die wohl erhebliche Mobilisierungsfähigkeit der bibelfesten Gemeinden hat für reichlich Personenstimmen gesorgt. In Huchting und Obervieland, dem „Bremer Bibelgürtel“, wurden in den Gemeindezentren unmittelbar vor der Wahl Mobilisierungs- und Diskussionsveranstaltungen mit den christlichen Kandidat*innen durchgeführt. Nach der Wahl war der Jubel entsprechend groß. Auf der Facebookseite der Matthäus Gemeinde hieß es: Endlich macht Wählen wieder Spaß.

Zufall oder Teil der Missionsstrategie der Bibelfesten?

Die oben Genannten mögen eventuell einen individuellen Spaß an parlamentarischer Politik haben. Auf jeden Fall sind sie aber mit der ausdrücklichen Unterstützung der Evangelikalen Bewegung versehen. Seit langem werben die Kirchen der Evangelischen Allianz in ihren Reihen für mehr politisches Engagement ihrer Mitglieder. Die Durchsetzung ihrer mittelalterlichen Moralvorstellungen von Familie, Sexualität, Genderfeindlichkeit und Abtreibungsverboten stehen dabei im Mittelpunkt. 
Der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz formulierte in Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl 2013 denn auch deutlich und präzise:
Wir ermutigen deshalb Christen öffentliche Aufgaben vor Ort, wie z.B. in der Nachbarschaftshilfe, in der Schule, an der Universität, am Arbeitsplatz zu übernehmen. Wir bitten auch, entsprechend begabte Mitchristen zum direkten politischen Engagement in Parteien und Parlamenten zu ermutigen und darin zu unterstützen.
Es geht also im Kern darum, die evangelikal–christlichen Botschaften im politischen Raum durchzusetzen.

9 Das Verhältnis der evangelischen Kirche (BEK) zu den Evangelikalen in der EVAB
Zwischen den damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Wolfgang Huber 2003 bis 2009 und den Evangelikalen kam es zu einer Annäherung. Huber war Kuratoriumsmitglied des Evangelikalen Netzes -Pro Christ- und nahm am umstrittenen Christival 2008 in Bremen teil. Dies führte insbesondere dazu, dass die scharfe Abgrenzung zu den Evangelikalen innerhalb der EKD beendet wurde. Selbst in die höchsten Gremien der EKD, Rat und Synode, wurden zahlreiche Evangelikale gewählt. Auch in Bremen sind Evangelikale in zahlreichen vom Kirchenvorstand der BEK berufenen bzw. in Wahlfunktionen der BEK tätig.

Harald Stief aus der evangelikalen St. Markus Gemeinde in der BEK gehört für die Wahlperiode 2013 bis 2018 der zwölfköpfigen Bremer Kirchenleitung, dem Kirchenausschuss der BEK, an.

Aus einigen Schlüsselentscheidungen der letzten Jahre lässt sich erahnen, dass die Leitung der BEK allen voran die Vorsitzende Edda Bosse und der Schriftführer Renke Brahms dazu neigen, den Evangelikalen nahestehende Pastoren mit besonderen Aufgaben zu betrauen. Dies macht sich an Personalbesetzungen fest, die mit missionarischen Intentionen versehen sind. Dazu zwei Beispiele:

9.1 Das Jugendmissionsprojekt Lighthouse
Zum September 2014 wurde Johannes Müller vom Kirchenausschuss der BEK zum Leiter des Jugendmissionsprojekts „Lighthouse“ berufen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Gemeinde mit eigenem Personalentscheidungsrecht, sondern um eine Anstellung bei der Zentrale der Evangelischen Kirche. „Lighthouse“ wurde dann auch in der Ausgabe 11-2014 von „Forum Kirche“, dem Infoblatt für ev. Kirchenaktivisten, mit einer Seite bedacht und Johannes Müller ausführlich vorgestellt. „Lighthouse“ unterhält Gruppenräume für die Jugendarbeit in der ehemaligen Dienstwohnung von Jens Motschmann auf dem Gelände der Martinigemeinde (Pastor Olaf Latzel) und führte einmal im Monat einen Gottesdienst mit Livemusik von bekannten evangelikalen Gruppen durch.

Wer ist Johannes Müller?
Johannes Müller war viele Jahre in der St. Matthäus Gemeinde in Huchting im Jugendbereich hauptamtlich tätig. Der leitende Pastor der Matthäus Gemeinde und Sprecher der evangelischen Allianz in Bremen, Andreas Schröder, ist laut Radio Bremen vom 3.7.2014 mit der Aussage zitierbar „Homosexualität ist von Gott nicht gewollt“.
Johannes Müller besuchte zur theologischen Ausbildung die Bibelschule Brake bei Lemgo. Die Bibelschule Brake gehört zum Netz der evangelischen Allianz und ist eine der zentralen Ausbildungsstätten der Evangelikalen zur Bekehrung der Welt und zur evangelikalen Bibelauslegung. Natürlich werden auch Fachkräfte (Missionare) für die innere Missionierung ausgebildet. Als solcher hat sich Johannes Müller weit über die Grenzen Bremens hinaus engagiert. Seit mindestens 2008 ist er stellvertretener Vorsitzender des Vereins Christival. Christival organisierte 2008 ein heftig umstrittenes Happening in Bremen. Hier sollte es in einer Arbeitsgruppe um die „Heilung der Homosexualität“ gehen. Damaliger Vorsitzender des Christival war Roland Werner (CVJM), der sich selbst „heilte“ und anschließend eine Ehe mit 2 Kindern führte. Seit 2008 muss auch Renke Brahms, damals und heute Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Johannes Müller mit seinen Positionen bekannt gewesen sein, denn Renke Brahms saß neben führenden Evangelikalen im Kuratorium des Christival in Bremen.
Das Müller nicht nur homophobe Auffassungen vertritt, wird auch in seinen Predigten deutlich. Laut Taz vom 14 Februar 2014 ließ Müller seine Zuhörer*innen, vor allem die männlichen, wissen, wie Mann seine Frau „jesusmäßig führen und leiten“ kann.

9.2 Evangelikale aus aller Welt in die BEK integrieren
Der Vorstand der Evangelischen Kirche in Bremen (BEK) hat im Herbst 2017 einen weiteren Vertreter der evangelikalen Strömung in der Kirche mit einem zentralen Amt bedacht. Rüdiger Kurz (Netzwerk „Bibel und Bekenntnis“), Pastor der Abraham Gemeinde, die der Evangelischen Allianz (EA) angehört, wurde zum „Beauftragten für Gemeinden anderer Sprache und Herkunft“ gemacht.

Rüdiger Kurz ließ denn in der Februar Ausgabe 2018 des BEK Forum die Kirchenaktivist*innen wissen, welche Ziele mit seiner Ernennung verbunden sind. Es soll zwischen 100 und 150 Gemeinden von Zuwander*innen, die im weitesten Sinne der evangelischen Glaubensrichtung angehören in Bremen geben. Überwiegend soll es sich dabei um Gemeinden von „Russlanddeutschen“ und Gemeinden afrikanischer Herkunft handeln.
Diese will Kurz in der nächsten Zeit aufsuchen und deren Kontakte zur BEK verbessern.

Will die BEK mit der Ernennung von Kurz ihre durch Austritte und Todesfälle jährlich um ca. 5000 Mitglieder schrumpfenden Reihen auffüllen?

Mit der absehbaren Integration von Zuwander*innengemeinden in die BEK wird sich jedoch der Einfluss der Evangelikalen signifikant erhöhen. Die Gemeinden von Zuwander*innen aus Westafrika und Kasachstan (Russlanddeutsche) gelten als besonders bibeltreu und konservativ. In ihren Heimatländern wie Ghana, Nigeria oder Uganda sind zum Beispiel evangelikale Bischöfe maßgeblich an der Verfolgung Homosexueller beteiligt. Die Bibel in voller Gänze (Altes und Neues Testament) ist dort unverrückbare Wahrheit zur Erklärung der Welt.

Dies dürfte auch für die 12 Leitungsmitglieder der BEK kein Geheimnis sein.
Nach der Ernennung von Johannes Müller für die Jugendmission, jetzt Rüdiger Kurz für die Integration der evangelikalen Zuwanderergemeinden zu bestimmen, lässt Rückschlüsse auf die interne Standortbestimmung der Kirchenleitung zu. Die BEK als Hort linksliberaler Friedensaktivist*innen – dieses Kapitel scheint seit Jahren abgeschlossen zu sein.

10 Schlussbemerkungen
Die Evangelikalen sind in Bremen eine Macht. Zu ihren sonntäglichen Gottesdiensten kommen mehr Menschen als in die Kirchen der restlichen Evangelischen Landeskirche. In vielen Bereichen verstecken sie sich als Vertreter der friedlich liberalen evangelischen Kirche. Ihr Einfluss innerhalb der BEK wird zunehmend größer. Sie besetzen zentrale Funktionen im Apparat und ihre größere Zahl aktiver (fanatischer) Anhänger*innen führt zu einem höheren Gewicht. Sie haben sich mit ihren Schulen und Kindergärten ein großes Rekrutierungsinstrument geschaffen. Dieses wird pikanterweise vom Staat aus den Steuermitteln aller Bremer*innen also auch der Konfessionsfreien bezahlt.

Ist es ein Zufall, dass in Stadtteilen mit einer hohen Verdichtung evangelikaler Einrichtungen und Gemeinden, wie Rönnebeck, Farge Rekum, Huchting und Habenhausen/ Kattenturm überdurchschnittliche Wahlergebnisses für AfD und Bürger in Wut erzielt wurden?
11 Einige Kostproben evangelikal–christlich–autoritären Denkens
Diese Zitate geben einen Einblick in die autoritäre Gedankenwelt der Evangelikalen und ihres christlichen Weltbildes. Die autoritäre christliche Denkstruktur ist nach dem Führerprinzip ausgerichtet. Sie macht den Menschen zum ohnmächtigen Untertanen. Die in dieser Grundhaltung erzogenen Menschen sind mit ihrer Denkweise jederzeit für autoritäre politische Konzepte empfänglich. Dies erklärt die hohe Zusammenarbeit zwischen autoritären rechten und konservativen Christen. Der gemeinsame Gegner sind der Islam, der „Genderwahn“ und die Ehe für alle.
Olaf Latzel: Predigt im Januar 2015
Wir sind nicht die Herren. Wir sind nur Knechte. Wir sind nur Befehlsempfänger. Die Bibel geht soweit, dass Paulus, dass Petrus nimmer wieder davon gesprochen haben, dass sie Sklaven Jesus Christus sind. Sklave Jesu Christi. Wir sind nur Befehlsempfänger ohne irgendetwas. Wir sind nur Werkzeug. Der Herr spricht und wir tun es halt.

Peter Strauch, von 2000 bis 2006 Vorsitzender der Evangelischen Allianz, formulierte am 1. April 2006 auf einer Tagung der Evangelischen Allianz und der Konrad Adenauer Stiftung: 
Jesus Christus ist der Herr (Philipper 2, 9-11). Deshalb gibt es keinen Lebensraum außerhalb seines Herrschaftsbereiches. Wo immer wir sind, was immer wir tun, er ist zuständig. Als „Konsequenz“ daraus formulierte er:
 Der Mensch ist nicht für die Obrigkeit da, sondern die Obrigkeit ist eingesetzt (von Gott) als Rechtsschutz für das Zusammenleben von Menschen (Römer 13, 4). Christen haben ihr zu gehorchen und für sie zu beten (1. Timotheus 2, 2). Die Grenzen des Gehorsams sind dort erreicht, wo das Gesetz der Obrigkeit gegen Gottes Gesetz steht (Apostelgeschichte 4, 19).
Kritische Betrachter*innen würden hier locker herauslesen, dass die Bibelinterpretation der Evangelikalen über dem Grundgesetz steht. Ein Vorwurf, der sonst gewöhnlich gegenüber dem politischen Islam erhoben wird. Es scheint, Evangelikale und politischer Islam sind Brüder im Geiste.

Herausgeber: Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten, IBKA Mitglieder in Bremen.
Facebook.com/relifreihb und Ibka-bremen@web.de

Weitergehende Quellen:
NDR Beitrag, die Schwulenheiler Zwei
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/…/Die-Schwulenheiler-2,sendung370984.html
Link zu einer irrwitzigen Bibelbegründung für die Tötung Ungläubiger: https://www.youtube.com/watch?v=BTahPmtAguI

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http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/02/07/die-evangelikalen-in-bremen/feed/
Das christliche Netz der Bremer Bourgeoisie http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/01/02/das-christliche-netz-der-bremer-bourgeoisie/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/01/02/das-christliche-netz-der-bremer-bourgeoisie/#comments Wed, 02 Jan 2019 21:00:43 +0000 Administrator Allgemein http://gottlosinbremen.blogsport.de/2019/01/02/das-christliche-netz-der-bremer-bourgeoisie/ Eine kurze Betrachtung zu Macht und Einfluss von Kapital und Kirche in Bremen

Ein Name steht beispielhaft für der Vernetzung von Bremer Kirchenaktivisten der Domgemeinde, der bremischen Politik und vor allem der Interessenvertretung der bremischen Unternehmen in der Industrie und Handelskammer: Harald Emigholz, Chef der alteingesessenen Reifenhandelsfirma gleichen Namens. Er war über lange Jahre Diakon der Domgemeinde und von 2016 bis 2018 Präses der IHK Bremen. Er ist kaufmännisches Mitglied des Hauses Seefahrt und war Schaffer. Er war auch Vorsitzender der Stiftung des kirchlichen Ökumenischen Gymnasiums Bremen. Ein Zufall ? Nein, nur die Spitze des Eisbergs.

Die Führungsgremien der Industrie und Handelskammer (IHK) sind überproportional besetzt mit Kirchenaktivisten der Domgemeinde und mit Abstrichen auch von anderen innerstädtischen oder evangelischen Gemeinden aus besser betuchten Stadtteilen. Eine zentrale Rolle für die Verbindung / Vernetzung von Kirche und Unternehmertum nimmt das Haus Seefahrt ein. Das Haus Seefahrt ist Mitglied des Diakonischen Werkes Bremen, dem evangelischen Wohlfahrtsverband und ist Bremer*innen bekannt durch alljährliche Durchführung des Schaffermahls im Bremer Rathaus.

Bei Wkipedia findet sich folgende Eigenbeschreibung des Hauses Seefahrt (abgerufen am 14.10.2018):

„Das Engagement der Mitglieder von Haus Seefahrt findet unter anderem in der ehrenamtlichen Arbeit der Handelskammer Bremen statt. Im Plenum der Handelskammer sind Mitglieder von Haus Seefahrt heute zu fast einem Drittel vertreten, im Präsidium zu gut 85 Prozent. Der Präses der Handelskammer Bremen ist zumeist Mitglied von Haus Seefahrt.“

Der Text stammt offensichtlich aus den Jahren 2003 bis 2007. Damals waren 6 von 7 Präsidiumsmitglieder der Handelskammer auch Mitglied beim Haus Seefahrt.

Ende 2018 hatte das inzwischen mit der Bremerhavener Unternehmerkammer verschmolzene IHK Präsidium zehn Mitglieder. Davon zwei Frauen und zwei Männer aus Bremerhaven. Es verbleiben somit sechs Männer aus Bremen, sie alle sind bereits Schaffer gewesen und Mitglieder des Hauses Seefahrt. Die langjährigen Diakone und Bauherren der Domgemeinde tragen überwiegend die „Schafferwürde“.

Es offenbart sich ein großes Netzwerk, das weit über die oben genannten Einrichtungen hinaus zivilgesellschaftliche und politische Positionen dieser Stadt bekleidet. Es ist eine Parallelgesellschaft des Geldadels mit weitreichendem Einfluss auf Politik und Staat.

Die Domgemeinde, die Kirche der feinen Leute

In Bremen kann sich jedes Mitglied der evangelischen Kirche seine/ihre Lieblingsgemeinde auswählen. Es ist eine lange Tradition, dass die christliche Unternehmerschaft Bremens die Domgemeinde zu der ihren erklärt. Die jetzige Vorsitzende der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), und ehemalige Bauherrin der Domgemeinde, Edda Bosse wohnt gar im niedersächsischen Leuchtenburg, der Diakon Henning Saacke in Bremen-Lesum. Die meisten zentralen Funktionsträger der Domgemeinde wohnen nicht im „normalen“ Territorium der Domgemeinde, dem Steintor, Ostertor, Gete oder Peterswerder. Wer in Bremen in der Parallelwelt des gehobenen Bürgertums, der Staatseliten, der Freunde der Galopprennbahn oder der Phillharmonie ankommen will, geht als erstes den Schritt in die Domgemeinde, schickt die Kinder natürlich zur Konfirmation in den Dom und/ oder aufs Ökumenische Gymnasium.

Die innere Struktur/ Verfassung der Domgemeinde sorgt dafür, dass eine „feindliche Übernahme“ des normalen Kirchenvolkes nicht stattfinden kann und die jetzt etablierte Gruppe der Bremischen Kaufmannschaft sich selbst den Nachwuchs aus Ihresgleichen rekrutieren kann.

Der Kirchenvorstand besteht zur Hälfte aus den vier Bauherren, vier hauptamtlichen Predigern, vier aktiven Diakonen und 2 Altdiakonen, also 14 Personen. Die Kirchenmitgliedschaft wählt den Konvent und aus diesem werden noch einmal 14 weitere zusätzliche Personen zum Kirchenvorstand bestellt. Diese insgesamt 28 Personen –Kirchenvorstand­­– wählen wiederum die neuen Bauherren und bestimmen neue Prediger. Die tonangebende Gruppe innerhalb der Diakonie bzw. des Apparates kann sich somit ihren genehmen Nachwuchs auswählen, da ihnen mindestens die Hälfte der Mandate sicher ist.

Dies belegt die Wahl der Konventsmitglieder im Jahre 2017. Insgesamt haben 58 Personen kandidiert. Gewählt wurden 46. Davon waren 7 Beschäftigte bei Einrichtungen der Domgemeinde 5-7 gehörten zum Establishment der DG bzw. waren Ehepartner*innen.

Vor allem die Diakonie reproduziert sich selbst. Dazu aus einem Text des Seniors der Diakonie Götz Grevemühl in den Dom Nachrichten 2/2018.

„Seit 1819 besteht die Domdiakonie aus 24 Mitgliedern. Die Domdiakonie wählt ihre Mitglieder jährlich durch Selbstergänzung (Kooptation) für einen festen Zeitraum von 12 Jahren und verjüngt sich somit ständig. Bei ihrer Aufnahme sind die Diakone zwischen 30 und 40 Jahre alt. Die überwiegende Zahl von ihnen sind selbständige Kaufleute oder Freiberufler und im Begriff, sich ihre berufliche Existenz auf zubauen.“

Im Jahr 2018 gibt es zwei interessante Diakon Neulinge: Caspar Plump und Jörg Meyer Arnecke.
Meyer Arnecke ist im Wirtschaftsrat der CDU aktiv und hat Ende 2018 auch die Wahl ins Plenum der IHK geschafft. Caspar Plump stellte sich denn in den Domnachrichten als neuntes Mitglied seiner Familie vor, das als Diakon der Domgemeinde tätig ist. Dirk Plump, Vater des jetzigen Neudiakons, war in den Jahren 2003 bis 2006 Chef der IHK und vorher aktiver Domdiakon. Familie Plump ist Gesellschafter bei MAN Tiemann.

Von den 30 dauerhaften Entscheidungsträgern der Domgemeinde, ohne Einbeziehung der Prediger*innen, sind 17 Unternehmer, 5 Rechtsanwälte aus Wirtschafts-, bzw. Steuerrechtskanzleien, 2 Steuerberater, 2 Geschäftsführer mittlerer Unternehmen, 1 Arzt, ein Richter, 1 Architekt und der Geschäftsführer des Unternehmerverbandes in Bremen. Alle sind Männer. In dieser Runde der Diakone und Bauherren sitzt alter Bremer Unternehmeradel mit Rechtsanwälten aus Wirtschaftskanzleien und Unternehmensberatungsgesellschaften. Die Domgemeinde vereint in sich Patriarchat und Unternehmerherrschaft. Von der oft propagierten demokratischen Gesinnung der Evangelischen Kirche in Bremen ist in deren größter und einflussreichster Gemeinde nichts zu spüren. Deren Struktur entstammt dem Mittelalter.

Familienbande in der Domgemeinde

Die Familie Lamotte (Lamotte oils, Lamotte foods und Lamotte Services sowie eine Gesellschaft zur Sicherung des Grundvermögens) dürfte über ein angesammeltes Millionenvermögen von mindestens 150 Millionen Euro verfügen. Den Sprung unter die 1000 reichsten Deutschen haben sie nur knapp verpasst haben oder wurden übersehen.

Hans Henry Lammotte (1922 bis 2003) war Aktivist der Domgemeinde, Diakon und 25 Jahre Bauherr. Zusammen mit seinem Schwager Johann Bosse gab er ein Buch über die Domgemeinde heraus. Er gehörte dem Präsidium der Handelskammer Bremen an, war zeitweise Vorsitzender des Hauses Seefahrt und natürlich Schaffer. Zwischenzeitlich auch Aufsichtsratsvorsitzender der halbstaatlichen Bremer Lagerhausgesellschaft und im Aufsichtsrat der Sparkasse Bremen. 1980 hielt er im Hause Seefahrt ein „bahnbrechende“ Rede zur Selbständigkeit Bremens und der notwendigen Rolle der Kaufmannschaft und formulierte ein umfassendes Forderungspaket an die Bremer Politik. Mit Dom und Handelskammer im Rücken kann man das Rathaus sehr gut in die Zange nehmen. Die geforderten Privatisierungen, das Verabschieden von Sparhaushalten und der Umbau von Schulen und Hochschulen in Richtung Unternehmerbedarfe fanden ihren Eingang in die Politik.

Lamottes Tochter, Edda Bosse, Jg.1953, auf der Webseite der BEK als Journalistin geführt, arbeitete im elterlichen Unternehmen und profiliert sich als Kunstmäzenin. (Philharmonie Bremen, Klahn Stiftung) Tatsächlich dürfte die Bezeichnung Millionenerbin zutreffender sein. Sie gehörte über Jahre dem Bauherrengremium, also dem geschäftsführenden Vorstand der Domgemeinde, an. Seit 2013 ist sie Vorsitzende der Bremischen Evangelischen Kirche.

Ihr Sohn Hermann Bosse ist als Geschäftsführer im Lammotte Firmenkonsortium tätig. Er ist zur Zeit Diakon der Domgemeinde und dort als Aufsichtsrat in der St. Petri Jugendhilfe und der Diakonischen Jugendhilfe (JUB) tätig.
Bruder Otto Lammotte ist derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Sparkasse in Bremen. Seine Ehefrau Nicole gehört dem Konvent / Kirchenvorstand der Domgemeinde an. Er selbst war bereits Präses der IHK und Schaffer.

Die Rolle der Domgemeinde innerhalb der BEK

Die Domgemeinde ist mit immerhin fast 10.000 Mitgliedern die größte Bremer Kirchengemeinde. Das Gewicht der Domgemeinde bemisst sich jedoch nicht allein an der Zahl der Delegiertenstimmen auf dem Bremer Kirchentag. Die Domgemeinde ist reich, und verfügt mit ihren Beteiligungen und Stiftungen über erheblichen Einfluss in der BEK und dem Diakonischen Werk.

Die DG verfügt über drei Kindertageseinrichtungen (Bleicherstr., Kantorstr. und Sielwall 39) mit ca. 80 Beschäftigten.
Der DG gehören die St. Petri Kinder und Jugendhilfe gGmbH mit ca. 160 Beschäftigten,
zahlreichen Jugendbetreuungseinrichtungen sowie das St. Petri Witwenhaus als Pflegeeinrichtung mit 80 Beschäftigten.
Die DG verwaltet paritätisch mit der Ansgari Gemeinde aus Schwachhausen die Eggestorff Stiftung mit ca. 300 Beschäftigten.
Die DG kontrolliert zusammen mit der Stiftung Alten Eichen, die von der St. Remberti und der Ansgari Kirche getragen werden, über St. Petri Jugendeinrichtung die Diakonische Jugendhilfe Bremen, JUB.

Die Kontrollfunktionen, die etwa Aufsichtsräten gleichen, werden von den Diakonen der jeweiligen Kirchengemeinden wahrgenommen. Allein für die Abwicklung der Geschäfte der Domgemeinde (Dommuseum, Stiftung etc.) ist eine Geschäftsführerin bestellt.

Insgesamt 700 Menschen arbeiten in der Domgemeinde selbst oder bei Einrichtungen die teilweise bzw. vollständig von der DG kontrolliert werden.

Innerhalb des Diakonischen Werkes mit seinen 26 Mitgliedsverbänden nehmen die von Dom und Ansgari kontrollierten Träger sieben Stimmen ein. Zusammen mit den verschiedenen Einrichtungen der Stiftung Friedehorst mit fünf Einrichtungen und den sechs Evangelikalen Einrichtungen die von Freikirchen, Baptisten und Pfingstlern getragen werden, können sie den Kurs des Diakonischen Werkes bestimmen.
Hier sollte noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen werden: Die oben genannten Einrichtungen der Jugendhilfe, der Pflege oder der Obdachlosenhilfe werden ausschließlich aus Steuergeldern der Stadt bzw. aus Beiträgen der Versicherungskassen aufgebracht.
Diakone und Kirchenvorstände der DG üben neben der Vorsitzenden Edda Bosse zentrale Funktionen in der BEK aus. Ein Kirchenvorstandsmitglied der DG ist Leiter der Kasse für die Pensionsversorgung ehemaliger Pastoren.

Aber auch andere Kirchen-/IHK-/Wirtschafts- und Politik-Karrieren aus den betuchten Innenstadtgemeinden lassen sich verfolgen. Andre Grobien, ebenfalls Mitglied der eine halbe Milliarde schweren Familie Grobien, jahrelang Bauherr der Ansgari Gemeinde, gehörte auch von bis 2018 dem Plenum der IHK an. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Kuratoriums (Aufsichtsrats) der Stiftung Friedehorst, der mit ca. 1400 Beschäftigten größten kirchlichen Einrichtung in Bremen. Ehefrau Susanne ist Bürgerschaftsabgeordnete der CDU in Bremen. Ein Weiteres Mitglied der Familie Grobien ist Bauherr der Domgemeinde. Im Aufsichtsrat von Friedehorst sitzt zudem Claudia Sandstedt. Ehemann Ralph Sandstedt (Lebensmittelunternehmen) gehört dem IHK Plenum an.

Diese nur unvollständigen Zusammenstellungen lassen erahnen, dass die Bremer Unternehmerschaft in der bremischen Evangelischen Kirche und dem Diakonischen Werk einen bestimmenden Einfluss ausübt.

In der Bremischen Evangelischen Kirche bestimmen die Reichen. Die Armen dürfen Beten und bekommen bestenfalls Almosen.

Die Macht der Kirche in den Händen der Bremer Unternehmerschaft mit der IHK im Rücken, lässt erahnen, warum die von der jetzigen Koalition aus SPD und Grünen verabredete Anpassung des diskriminierenden kirchlichen Arbeitsrechts aus der Koalitionsvereinbarung von 2015 nicht stattgefunden hat.

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Erdogans Kolonne in Bremen und die SPD http://gottlosinbremen.blogsport.de/2018/03/07/erdogans-kolonne-in-bremen-und-die-spd/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2018/03/07/erdogans-kolonne-in-bremen-und-die-spd/#comments Wed, 07 Mar 2018 21:49:22 +0000 Administrator Allgemein http://gottlosinbremen.blogsport.de/2018/03/07/erdogans-kolonne-in-bremen-und-die-spd/ Die UETD, der direkte europäische Ableger der islamistischen Partei des türkischen Präsidenten Erdogan, AKP, baut auch in Bremen ihre Strukturen aus. So wurden unlängst „Ortsvereine“ in einigen Bremer Stadtteilen gegründet. Die Bremer Zentrale befindet sich in Gröpelingen, in der Ortstr. 14, in dem sich auch der Fußballverein Vatan Sport befindet. Vatan Sport ist Mitglied bei DITIB, dem vom türkischen Religionsministerium gesteuerten islamischem Dachverband mit 6 Moscheen in Bremen.
Ein Büro der UETD wurde unlängst in Hemelingen eröffnet. Eine weiteres Büro in Blumenthal, im Neuenkirchener Weg 22.

Der bremer Regionalleiter der islamisch/faschistischen Partei, Burak Cayli, machte denn auch in den Stadtteilen Vorstellungsgespräche. So gibt es ein nettes Bild mit dem Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack, SPD. Der Bremer Gauleiter der AKP scheint die besondere Nähe der SPD zu suchen. So gibt es auch nette Erinnerungsfotos mit dem Bürgermeister Sieling aus dem Bürgerschaftswahlkampf 2015 und dem SPD Abgeordnete Mehmet Acar.
Außenminister Gabriel verspricht dem türkischen Militär die Nachrüstung deutscher Leopard Panzer, vor der Yüksel Freilassung werden massenhaft Rüstungsexporte in die Türkei genehmigt. Den SPD Genossen scheint auf allen Ebenen das Gespür zu fehlen, zu Despoten wie dem informellen Anführer der Moslem Brüder, Erdogan, auf Distanz zu gehen. Oder es einfach blinder Gehorsam für die Exportinteressen des deutschen Großkapitals.

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Kirche verliert Mitglieder http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/22/kirche-verliert-mitglieder/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/22/kirche-verliert-mitglieder/#comments Fri, 22 Dec 2017 22:16:29 +0000 Administrator Allgemein http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/22/kirche-verliert-mitglieder/ Ende Dezember wurden die Zahlen der Statistischen Landesamtes Bremen zu den kirchlichen Verhältnissen 2016 für die Stadt Bremen veröffentlicht. Die Mitgliederzahl der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) sanken von 204 057 in 2015 auf lediglich noch 196 443 zum 31.Dezember 2016. Darin sind noch ca. 12 500 Mitglieder enthalten, die gar nicht in Bremen wohnen (Große Kirche Bremerhaven, Ihlpol, Platjenwerbe, Beckedorf, Uphusen und Bollen) Somit verbleiben nur noch ca. 184 000 BEK Mitglieder innerhalb der Stadtgrenzen. Gemessen an der Einwohnerzahl Bremens kommt gerade noch eine Quote von 32,6 dabei heraus.

Bei den Taufen von Kindern geht es ebenfalls abwärts. Gerade noch 1030 Gänge zum Taufbecken waren es innerhalb der Stadtgrenzen. Das entspricht einem Anteil von knapp über 18 Prozent aller Neugeborenen. Noch drastischer war der Einbruch bei den Konfirmationen. Wurden 2015 noch 1456 junge Menschen konfirmiert, brach die Zahl für 2016 um über 18 Prozent auf 1193 Konfirmanden ein. Kirchliche Trauungen und Bestattungen gingen ebenfalls zurück.

Steigende Bildung, die Durchdringung von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ins Alltagsbewußtsein nagen an den kirchlichen Dogmen und Märchengeschichten. Um so missionarischer und intensiver werden die Versuche von Kirche und Staat diesen Trend zu stoppen. 500 Millionen Euro aus staatlichen Steuereinnahmen für die Luther Jubelfeiern im „Reformationsjahr“ sind dafür ein deutlicher Beleg.

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Staatsgelder für Mission http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/15/staatsgelder-fuer-mission/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/15/staatsgelder-fuer-mission/#comments Fri, 15 Dec 2017 11:58:58 +0000 Administrator Allgemein Kirche - Geld und Vermögen http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/15/staatsgelder-fuer-mission/ Weitere Million aus dem Bremer Haushalt für christliche Missionierung

Da frohlockten die Delegierten des Kirchentages der evangelischen Kirche in Bremen (BEK) am 29. November, als ihnen die frohe Botschaft überbracht wurde, dass aus dem kommunalen, sonst meist klammen, bremischen Haushalt ab 2018 jährlich eine weitere zusätzliche Million Euro in die evangelischen Kindergärten fließt. Lange hatte die Kirche für die Erhöhung des Zuschusses gekämpft. Die BEK hatte moniert, dass sie aus eigenen Mitteln die Instandhaltung der eigenen kirchlichen Kindergärten aufbringen muss und fühlte sich benachteiligt. Dank ihrer Machtstellung, gerichtlichen Klagen und zahlreicher politischer Verbindungen ist es den Christen nunmehr gelungen die Zusatzeinnahme für ihr zentrales Missionierungsinstrument, die Kindergärten, zu vermelden.

Die Finanzchefin der BEK, Bärbel Ludewig stellte auf dem Kirchentag den Haushalt der BEK und des Landesverbandes der evangelischen Kindertageseinrichtungen vor. Die evangelischen Kindergärten und Krippen der BEK haben in 2018 einen Etat von 62 Millionen Euro. 6 Millionen, also etwa 10 Prozent des Gesamtetats davon stammen aus Kirchensteuermitteln. Den größten Teil der Betriebskosten immerhin 56 Millionen erhält die Kirche vom Staat aus dem allgemeinen Steueraufkommen aller Bürger und auch gut verdienende Eltern werden über Beiträge zur Finanzierung herangezogen. Die Kindertageseinrichtungen sind der einzige Bereich sozialer Arbeit in der Kirche und deren Wohlfahrtsverbänden, der vom Kirchensteueraufkommen nennenswert profitiert. Pflegeheime, christliche Krankenhäuser, Obdachlosenunterkünfte werden komplett vom Staat oder Sozialversicherungen finanziert.

Diese besondere Zuwendung der Kirche für die Kindergärten hat ihren Grund. Anders als die verlautbarten Gründe glauben machen wollen sind die Kindergärten aus Sicht der Kirche vor allem die zentrale Einrichtung zur Missionierung. In den Altersgruppen der unter 45-jährigen stellen die Konfessionslosen schon jetzt die Mehrheit der Bevölkerung. Die ca. 3500 Euro, die die evangelische Kirche Bremens in drei Jahren Kindergarten in jedes dort angemeldete Kind investiert sind schon nach 8 Jahren Kirchensteuerzahlung einer DurchschnittsverdienerIn wieder erwirtschaftet. Gelingt es der AbgängerIn eines evangelischen Kindergartens 20 Jahre später einen Job mit 5000 Euro Brutto zu ergattern, sind die „Investitionen“ schon nach weniger als 3 Jahren durch Kirchensteuerzahlungen amortisiert. Zuschüsse zu Kindergärten sind also eine Zukunftsinvestition im Sinne einer langfristiger Kundenbindung.

Als Beleg dieser These der Missionierungsauftrags der Kindergärten seien einige kurze Passagen aus den Konzepten kirchlicher Einrichtungen und führender Kirchenleute zitiert. Auf der Webseite der Matthäus Gemeinde in Huchting ist zu lesen:

„Dass wir ein evangelischer Kindergarten sind, spiegelt sich in den Inhalten unserer täglichen Arbeit wieder. Eingebunden in eine verantwortliche Pädagogik, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert, sollen sie hören und erleben, dass sie von Gott geliebt werden. Wichtig ist uns hierbei, dass Kinder die bei uns angemeldet sind, an religionspädagogischen Angeboten wie z.B. Kindergartengottesdienste und „Kinderstunden“ in denen biblische Geschichten, Gebete und christliche Inhalte vermittelt werden, teilnehmen.“

Bei der Kirchengemeinde Sodenmatt hört sich dieser Missionsauftrag wie folgt an:

„Auf einfache und spannende Weise lernen die Kinder in altersdifferenten Gruppen einmal in der Woche Geschichten aus der Bibel kennen. Auch das Beten und der Gottesdienst gehören zur religiösen Erziehung.“

Die Ex Bischöfin Margot Käßmann legte in einem Interview mit der evangelikalen Medienagentur IDEA folgende Auffassung dar

„Die EKD befasse sich schon viele Jahre mit der Säkularisierung: Aber das eine Konzept als Allheilmittel gibt es eben nicht. Als Reaktion auf diese Entwicklung habe die Kirche zum Beispiel viel in die Gründung evangelischer Schulen im Osten Deutschlands investiert. Dadurch erreiche sie zahlreiche Kinder, die in nichtchristlichen Haushalten aufgewachsen seien. Die Investition in evangelische Kindertagesstätten habe sich ebenso gelohnt: Auch dort werden Kinder an den christlichen Glauben herangeführt.“

zitiert nach IDEA vom 17.10.2017

Auch der ehemalige Bischof Huber äußerte sich 2011 entsprechend.

„Erstens bieten sich missionarische Chancen für die christlichen Kindertagesstätten. Indem sie
ungetauften Kindern inspirierende Erlebnisse mit dem Bildungsmaterial des christlichen Glaubens ermöglichen, laden sie auf … unaufdringliche Weise zum Glauben an Jesus Christus ein“.

In Bremen werden gegenwärtig noch gerade 25 Prozent der Kinder eines Geburtsjahrganges getauft. Die Tendenz ist dabei weiter rückläufig. In 2016 waren in der Stadt Bremen gerade noch 33 Prozent der Bevölkerung Mitglied in der Evangelischen Kirche. Längst haben die Kirchen darauf reagiert und antworten mit massiven Anstrengungen zur Missionierung. Kulturprojekte, das Jugendmissionsprojekt „Lighthouse“ und der erhebliche Ausbau der evangelischen Kindergarten und Krippenangebote sind die Antwort der Kirche auf die Säkularisierung der Gesellschaft. Innerhalb der Kirchen gewinnen dabei die streng Gläubigen, in der BEK die Evangelikalen an Einfluss. Für die zentralen Missionsprojekte für Jugendliche und Zugewanderte hat die BEK ausgewiesene Evangelikale Geistliche (Aktivisten innerhalb der Evangelischen Allianz) verantwortlich gemacht.

Zusätzlich sollte nicht übersehen werden, dass in Stadtteilen, die über eine gemischte Sozialstruktur, etwa ohne große Sozialwohnungsbaukomplexe oder „Villenviertel“ verfügen, die Existenz der kirchlichen Kindergärten erheblich zur Desintegration beiträgt. Aufstiegsorientierte Eltern steuern gezielt christliche Kindergärten an. Hier werden oft Zusatzangebote, wie englische Spracheinheiten unterbreitet und bei vielen Eltern steht auch die Vermutung im Vordergrund, dass der Anteil von Zuwandererkindern aus muslimischen Elternhäusern dort nicht so hoch ist. Vielfach haben die christlichen Kitas das Image des Kindergartens der „feinen Leute“. Diese gezielte Anmeldung wirkt faktisch gegen sozialen Integration und trägt erheblich zur Entwicklung von parallelen gesellschaftlichen Strukturen bei.

Bedauerlich ist, dass die politische Gesellschaft in der Bremer Regierung und dem handelnden Staatsapparat diese Entwicklung fördert. Dies gilt um so mehr als auch alle kirchenfernen Menschen und sogar solche, die bewusst aus den Kirchen ausgetreten sind, aus ihren allgemeinen Steuerabgaben, der Einkommenssteuer und den Umsatzsteuern zur Ausweitung kirchlicher missionarischer Angebote herangezogen werden.

Gottlosinbremen.blogsport.de

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http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/12/15/staatsgelder-fuer-mission/feed/
Evangelikaler bei AfD Jugend http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/11/09/evangelikaler-bei-afd-jugend/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/11/09/evangelikaler-bei-afd-jugend/#comments Thu, 09 Nov 2017 20:41:34 +0000 Administrator Allgemein Evangelikale http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/11/09/evangelikaler-bei-afd-jugend/ Das Medienmagazin der evangelischen Allianz – idea – vermeldete am 9. November, als einen von drei Topartikeln den Auftritt des Evangelikalen Lehmann bei der AfD Jugend in Dresden.

„Evangelist Theo Lehmann sprach bei der AfD-Jugendorganisation

Dresden (idea) – Der Evangelist und Pfarrer Theo Lehmann (Chemnitz) hat einen Vortrag bei der Jugendorganisation der AfD in Dresden, der „Jungen Alternative“, gehalten. Der 83-Jährige spracham 4. November zum Thema „Die Stasi war immer dabei“. Lehmann hatte in der DDR in seinen Jugendgottesdiensten bis zu 5.000 Besucher. Seine Predigten enthielten politische Witze und Gedichte, die das SED-Regime aufs Korn nahmen. Die Stasi setzte deshalb eine Reihe Inoffizieller Mitarbeiter auf ihn an – bis hinein in sein familiäres Umfeld.
Bedford-Strohm und Kardinal Marx an der Kirchenspitze „völlig fehl am Platze“

zu Lehmann aus Wikpedia
„Von 1976 bis zu seiner Pensionierung 1998 war er Landesevangelist der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens…“
„Lehmann sucht im Rahmen seines missionarischen Dienstes die intensive Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Freikirchen.
2004 orientierte er gläubige Christen auf ein nach seiner Ansicht bevorstehendes neues Märtyrertum: „Wir sollten die Atempause benutzen, um uns auf Zeiten vorzubereiten, in denen Christsein nicht mehr geil, sondern gefährlich ist. Was wir brauchen, sind bibelfeste und notfalls auch feuerfeste, KZ-fähige Christen.“ Lehmann unterzeichnete 2012 eine Erklärung von Kirchenmitgliedern, nach der „praktizierte Homosexualität mit der Heiligen Schrift nicht vereinbar“ sei.[3][4]
Auch im Alter ist er noch politisch aktiv, indem er sich zu aktuellen Themen äußert und Demonstrationen von Pegida besucht [5].“

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Evangelikaler Bischof will mit AfD kuscheln. http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/09/27/evangelikaler-bischof-will-mit-afd-kuscheln/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/09/27/evangelikaler-bischof-will-mit-afd-kuscheln/#comments Wed, 27 Sep 2017 21:16:14 +0000 Administrator Allgemein Evangelikale http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/09/27/evangelikaler-bischof-will-mit-afd-kuscheln/ Der evangelische Bischof von Sachsen, Carsten Rentzing, der dem evangelikalen Spektrum nahe steht, so gehörte er zu den Erstunterzeichner des evangelikalen Aufrufs „Zeit zum Aufstehen“, hat seine inhaltliche Distanzlosigkeit zur AfD deutlich unterstrichen. In einer Erklärung zur Bundestagswahl ( Siehe unten) möchte er die AfD als „normale“ Partei behandeln.
Hintergrund ist sicherlich auch, dass die drei Direktmandate der AfD im evangelikalen Bibelgürtel rings um Dresden liegen. Hier hatte auch Rentzing eine Anstellung als Pastor bevor er zum Bischof gewählt wurde. In den dortigen Dörfern sind die Pastoren und die Bibel noch ein gewichtiger Faktor. Ein für die neuen Bundesländer ungewöhnliche Ausnahme.
Auch die Ehe für alle ist ihm ein Greuel. Laut Rentzing sage die Bibel, „dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes“ entspreche. 

Rentzings Erklärung:
25. September 2017
„Im neuen Bundestag das Gemeinwohl aller im Blick haben
Statement von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing zur Bundestagswahl
„Diese Wahl hat das hohe Gut einer freien und geheimen Wahl auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nochmals verdeutlicht. Vor allem die hohe Wahlbeteiligung begrüße ich dabei ausdrücklich. Sie ist Ausdruck für ein prinzipielles Interesse der Menschen an dem weiteren Weg unseres Landes. Wir können auf die Beteiligung  der Bürgerinnen und Bürger nicht verzichten, denn wir brauchen sie zur Gestaltung zukünftiger Herausforderungen.
Dass wir Wahlen in dieser Art und Weise durchführen können, ist ein besonderer Wert! In vielen Ländern dieser Welt ist dies so nicht der Fall.  Auch  in unserer deutschen Geschichte war das in den vergangenen Generationen nicht immer so. Viele, vor allem Bürger, die die DDR-Zeit bewusst erlebten, werden sich daran erinnern. Die Forderung nach freien Wahlen war unter anderem ein zentraler Punkt der damaligen Bürgerrechtsbewegung.
Der 19. Deutsche Bundestag hat sich im Vergleich zur letzten Legislatur mit dem Wiedereinzug der FDP und dem ersten Einzug der AfD um zwei Parteien erweitert. Diese Erweiterung ist Ausdruck der politischen Vielfalt unserer Gesellschaft. Wir können eine solche Vielfalt nicht nur theoretisch wollen, sondern müssen sie auch dann akzeptieren, auch wenn sie nicht den persönlichen Vorstellungen entspricht. Weder die Stigmatisierung politisch konträrer Auffassungen noch die Fortsetzung ständiger verbaler Grenzüberschreitungen sind jetzt der Weg, der in unserer Gesellschaft weitergegangen werden darf.
Vor diesem Hintergrund erhoffe ich eine Gesprächsbereitschaft von allen gewählten Abgeordneten des neuen Bundestages. Ich verbinde damit zugleich die Hoffnung, dass sich die ausgleichenden und staatstragenden Kräfte in Parlament und Regierung zusammenfinden, die das Gemeinwohl aller im Blick haben. Dies schließt auch einen angstfreien und vernünftigen Umgang aller Bundestagsparteien miteinander ein.
Vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses in Sachsen mit der AfD als stärkster Partei in unserem Bundesland sehe ich es als eine besondere Herausforderung an, die gesellschaftliche Debatte aufzugreifen und für Begegnungen offen zu sein. Dabei muss dieser Austausch geprägt sein von gegenseitigem Respekt, um Diffamierungen jedweder Art zu vermeiden. Von Äußerungen, die die Würde des Menschen verletzen, möchte ich mich ausdrücklich abgrenzen.“

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Evangelikale Medienagentur wirbt für AfD http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/09/12/evangelikale-medienagentur-wirbt-fuer-afd/ http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/09/12/evangelikale-medienagentur-wirbt-fuer-afd/#comments Tue, 12 Sep 2017 21:10:31 +0000 Administrator Allgemein http://gottlosinbremen.blogsport.de/2017/09/12/evangelikale-medienagentur-wirbt-fuer-afd/ Frühere CDU-Politikerin und Bürgerrechtlerin hält die AfD für wählbar
Wetzlar (idea) – Eine der ehemaligen führenden DDR-Bürgerrechtlerinnen, Vera Lengsfeld, hält die AfD für wählbar. Diese Ansicht vertritt sie in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Die 65-Jährige war von 1990 bis 2005 Bundestagsabgeordnete, zunächst für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Sie äußert sich in der idea-Rubrik „Pro und Kontra“ zur Frage, ob Christen die AfD wählen dürfen. Wie Lengsfeld schreibt, decken sich die inhaltlichen Forderungen der AfD in weitesten Teilen mit denen des CDU-Wahlprogramms von 2002: „Eine Warnung an Christen vor der Union hat es damals nicht gegeben.“ Nicht die AfD sei demokratiegefährdend, sondern der Umgang mit ihr. So würden Plakate zerstört, Wahlhelfer attackiert und Autos ihrer Politiker angezündet: „Es wird nicht debattiert, sondern diffamiert.“
Lengsfeld: „Deshalb stimme ich für eine starke Opposition“
Demokratie brauche aber Debatte und eine aktive Opposition. Beides hätten die Altparteien in den letzten Jahren vermissen lassen: „Deshalb stimme ich für eine starke Opposition.“ Lengsfeld kritisiert in dem Beitrag auch führende Repräsentanten der Kirchen. So warnten der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (beide München) „bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor der AfD“. Unvergessen sei, dass beide beim Besuch des Tempelbergs im Oktober 2016 in Jerusalem ihre Kreuze abgelegt hätten. Lengsfeld: „Ich wünschte mir, sie würden sich mit diesem Eifer für verfolgte Christen einsetzen.“

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