Staatsgelder für Mission

Weitere Million aus dem Bremer Haushalt für christliche Missionierung

Da frohlockten die Delegierten des Kirchentages der evangelischen Kirche in Bremen (BEK) am 29. November, als ihnen die frohe Botschaft überbracht wurde, dass aus dem kommunalen, sonst meist klammen, bremischen Haushalt ab 2018 jährlich eine weitere zusätzliche Million Euro in die evangelischen Kindergärten fließt. Lange hatte die Kirche für die Erhöhung des Zuschusses gekämpft. Die BEK hatte moniert, dass sie aus eigenen Mitteln die Instandhaltung der eigenen kirchlichen Kindergärten aufbringen muss und fühlte sich benachteiligt. Dank ihrer Machtstellung, gerichtlichen Klagen und zahlreicher politischer Verbindungen ist es den Christen nunmehr gelungen die Zusatzeinnahme für ihr zentrales Missionierungsinstrument, die Kindergärten, zu vermelden.

Die Finanzchefin der BEK, Bärbel Ludewig stellte auf dem Kirchentag den Haushalt der BEK und des Landesverbandes der evangelischen Kindertageseinrichtungen vor. Die evangelischen Kindergärten und Krippen der BEK haben in 2018 einen Etat von 62 Millionen Euro. 6 Millionen, also etwa 10 Prozent des Gesamtetats davon stammen aus Kirchensteuermitteln. Den größten Teil der Betriebskosten immerhin 56 Millionen erhält die Kirche vom Staat aus dem allgemeinen Steueraufkommen aller Bürger und auch gut verdienende Eltern werden über Beiträge zur Finanzierung herangezogen. Die Kindertageseinrichtungen sind der einzige Bereich sozialer Arbeit in der Kirche und deren Wohlfahrtsverbänden, der vom Kirchensteueraufkommen nennenswert profitiert. Pflegeheime, christliche Krankenhäuser, Obdachlosenunterkünfte werden komplett vom Staat oder Sozialversicherungen finanziert.

Diese besondere Zuwendung der Kirche für die Kindergärten hat ihren Grund. Anders als die verlautbarten Gründe glauben machen wollen sind die Kindergärten aus Sicht der Kirche vor allem die zentrale Einrichtung zur Missionierung. In den Altersgruppen der unter 45-jährigen stellen die Konfessionslosen schon jetzt die Mehrheit der Bevölkerung. Die ca. 3500 Euro, die die evangelische Kirche Bremens in drei Jahren Kindergarten in jedes dort angemeldete Kind investiert sind schon nach 8 Jahren Kirchensteuerzahlung einer DurchschnittsverdienerIn wieder erwirtschaftet. Gelingt es der AbgängerIn eines evangelischen Kindergartens 20 Jahre später einen Job mit 5000 Euro Brutto zu ergattern, sind die „Investitionen“ schon nach weniger als 3 Jahren durch Kirchensteuerzahlungen amortisiert. Zuschüsse zu Kindergärten sind also eine Zukunftsinvestition im Sinne einer langfristiger Kundenbindung.

Als Beleg dieser These der Missionierungsauftrags der Kindergärten seien einige kurze Passagen aus den Konzepten kirchlicher Einrichtungen und führender Kirchenleute zitiert. Auf der Webseite der Matthäus Gemeinde in Huchting ist zu lesen:

„Dass wir ein evangelischer Kindergarten sind, spiegelt sich in den Inhalten unserer täglichen Arbeit wieder. Eingebunden in eine verantwortliche Pädagogik, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert, sollen sie hören und erleben, dass sie von Gott geliebt werden. Wichtig ist uns hierbei, dass Kinder die bei uns angemeldet sind, an religionspädagogischen Angeboten wie z.B. Kindergartengottesdienste und „Kinderstunden“ in denen biblische Geschichten, Gebete und christliche Inhalte vermittelt werden, teilnehmen.“

Bei der Kirchengemeinde Sodenmatt hört sich dieser Missionsauftrag wie folgt an:

„Auf einfache und spannende Weise lernen die Kinder in altersdifferenten Gruppen einmal in der Woche Geschichten aus der Bibel kennen. Auch das Beten und der Gottesdienst gehören zur religiösen Erziehung.“

Die Ex Bischöfin Margot Käßmann legte in einem Interview mit der evangelikalen Medienagentur IDEA folgende Auffassung dar

„Die EKD befasse sich schon viele Jahre mit der Säkularisierung: Aber das eine Konzept als Allheilmittel gibt es eben nicht. Als Reaktion auf diese Entwicklung habe die Kirche zum Beispiel viel in die Gründung evangelischer Schulen im Osten Deutschlands investiert. Dadurch erreiche sie zahlreiche Kinder, die in nichtchristlichen Haushalten aufgewachsen seien. Die Investition in evangelische Kindertagesstätten habe sich ebenso gelohnt: Auch dort werden Kinder an den christlichen Glauben herangeführt.“

zitiert nach IDEA vom 17.10.2017

Auch der ehemalige Bischof Huber äußerte sich 2011 entsprechend.

„Erstens bieten sich missionarische Chancen für die christlichen Kindertagesstätten. Indem sie
ungetauften Kindern inspirierende Erlebnisse mit dem Bildungsmaterial des christlichen Glaubens ermöglichen, laden sie auf … unaufdringliche Weise zum Glauben an Jesus Christus ein“.

In Bremen werden gegenwärtig noch gerade 25 Prozent der Kinder eines Geburtsjahrganges getauft. Die Tendenz ist dabei weiter rückläufig. In 2016 waren in der Stadt Bremen gerade noch 33 Prozent der Bevölkerung Mitglied in der Evangelischen Kirche. Längst haben die Kirchen darauf reagiert und antworten mit massiven Anstrengungen zur Missionierung. Kulturprojekte, das Jugendmissionsprojekt „Lighthouse“ und der erhebliche Ausbau der evangelischen Kindergarten und Krippenangebote sind die Antwort der Kirche auf die Säkularisierung der Gesellschaft. Innerhalb der Kirchen gewinnen dabei die streng Gläubigen, in der BEK die Evangelikalen an Einfluss. Für die zentralen Missionsprojekte für Jugendliche und Zugewanderte hat die BEK ausgewiesene Evangelikale Geistliche (Aktivisten innerhalb der Evangelischen Allianz) verantwortlich gemacht.

Zusätzlich sollte nicht übersehen werden, dass in Stadtteilen, die über eine gemischte Sozialstruktur, etwa ohne große Sozialwohnungsbaukomplexe oder „Villenviertel“ verfügen, die Existenz der kirchlichen Kindergärten erheblich zur Desintegration beiträgt. Aufstiegsorientierte Eltern steuern gezielt christliche Kindergärten an. Hier werden oft Zusatzangebote, wie englische Spracheinheiten unterbreitet und bei vielen Eltern steht auch die Vermutung im Vordergrund, dass der Anteil von Zuwandererkindern aus muslimischen Elternhäusern dort nicht so hoch ist. Vielfach haben die christlichen Kitas das Image des Kindergartens der „feinen Leute“. Diese gezielte Anmeldung wirkt faktisch gegen sozialen Integration und trägt erheblich zur Entwicklung von parallelen gesellschaftlichen Strukturen bei.

Bedauerlich ist, dass die politische Gesellschaft in der Bremer Regierung und dem handelnden Staatsapparat diese Entwicklung fördert. Dies gilt um so mehr als auch alle kirchenfernen Menschen und sogar solche, die bewusst aus den Kirchen ausgetreten sind, aus ihren allgemeinen Steuerabgaben, der Einkommenssteuer und den Umsatzsteuern zur Ausweitung kirchlicher missionarischer Angebote herangezogen werden.

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