Evangelikale Seelenfänger

„Gott hat die Flüchtlinge nach Europa geschickt“
„Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika hat Gott nach Europa geschickt. Diese Auffassung haben Referenten und Teilnehmer auf einem „Tag für Frauen“ der evangelikalen Frauenbewegung Filia (Tochter) und des überkonfessionellen Frauennetzwerks der „Hope For Europe“-Initiative (Hoffnung für Europa) am 19. September in Hannover geäußert. Die russische Evangelistin Schirinai Dossowa (Moskau), eine ehemalige Muslima, sagte im Blick auf die Neuankömmlinge: „Gott macht es uns so leicht, dass wir ihnen das Evangelium sagen.“ Diese Botschaft wurde am 21. September 2015 in der evangelikalen Medienagentur IDEA verkündet. Bereits am 23. März 2015 titelte IDEA „ Gott baut sein Reich auch mit Flüchtlingsströmen“ in einem Bericht zu einer Tagung evangelikaler Weltmissionierer, die ihre Missionare hauptsächlich in die Dritte Welt schicken aber jetzt frohlocken, dass Ihnen die Flüchtlinge als Objekte der Missonierung direkt vor die „Tür“ gestellt werden.
Die Evangelikalen innerhalb der evangelischen Kirche und der Freikirchen geben sich vielerorts erhebliche Mühen innerhalb von Willkommensinitiativen und eigenen Ökumenischen Flüchtlingsprojekten neue Seelen für ihre Gemeinden zu finden.
In der evangelikalen Presselandschaft wird seit Monaten das Beispiel einer erfolgreichen Missionierung von Flüchtlingen herumgereicht. In Leipzig hatte eine evangelikale Kirchengemeinde einer Gruppe von IranerInnen Deutschkurse angeboten. Nachdem deutliche Fortschritte des Spracherwerbs festzustellen waren, wurde die Bibel als Unterrichtsmaterial verwendet. Und siehe da, der größere Teil der SprachkursteilnehmerInnen bekennt sich heute zum Christentum und ist aktiv in der Evangelikalen Gemeinde. Dieses Beispiel wird von den Evangelikalen dringend zur Nachahmung empfohlen. Zweisprachige Bibelausgaben in deutsch und arabisch sowie andere mehrsprachige Evangelisierungsschriften werden zur Zeit in Großauflagen gedruckt und den evangelikalen Gemeinden und Werken zu Sonderkonditionen angeboten.
Nun kann nicht allen Kirchenmitgliedern unter den FlüchtlingshelferInnen per se missionarische Motive unterstellt werden. Vielen Kirchenmitgliedern ist die Hilfe für Flüchtlinge zunächst ein normales menschliches Bedürfnis. Viele Kirchengemeinden gewähren Kirchenasyl, um Menschen vor der Abschiebung zur schützen.
Mensch sollte aber genau hinsehen, wenn die missionarischen SeelenfängerInnen auftauchen, die im Wesentlichen das Ziel vor Augen haben: Wie missioniere ich einen Flüchtling.
IDEA – 23. März 2015
„Gott baut sein Reich auch mit Flüchtlingsströmen“
Was tut Gott in der Weltmission? Um diese Frage geht es bei den Jahrestagungen der (deutschen) Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM). Meist steht die Lage in Afrika, Asien und Lateinamerika im Vordergrund. Aber dieses Mal lag der Schwerpunkt auf der Mission vor der eigenen Haustür. Ein Bericht von idea-Redakteur Christian Starke.
Die steigenden Zahlen von Flüchtlingen und Zuwanderern in Deutschland machen es möglich, Afghanen, Iraker, Iraner, Syrer, Eritreer, Somalier und andere in Deutschland mit der christlichen Botschaft zu erreichen. In ihren oftmals islamisch geprägten Heimatländern wäre dies sehr viel schwerer möglich, weil dort Mission verboten ist. Über 200.000 Asylanträge wurden allein im vergangenen Jahr in Deutschland gestellt. Experten rechnen in diesem Jahr sogar mit rund 300.000 Asylbewerbern. Hubert Keil, Referent für Jugend und Mission beim Forum Wiedenest (Bergneustadt), zeigte sich bei der Tagung in Rehe (Westerwald) überzeugt: „Gott baut sein Reich auch mit den Flüchtlingsströmen. …“
Die AEM besteht aus mehr als 100 Mitgliedsorganisationen, darunter zahlreiche Gemeinden und Werke der evangelischen Kirche und hat 4500 Beschäftigte. Also kein Papiertiger aus abgedrehten Spinnern.
Evangelikale in Bremen
Evangelikale, sowohl innerhalb der Bremischen Evangelischen Kirche als auch der Freikirchen sind überwiegend in der „Evangelischen Allianz“ (EA) zusammengeschlossen. Bundesweit gibt es ca. 1,3 Millionen Evangelikale. Der in Bremen prominenteste Vertreter dieser Strömung ist wohl Pastor Olaf Latzel.
Innerhalb der Bremischen Evangelischen Kirche gehören zahlreiche Gemeinden zur evangelischen Allianz bzw. stehen der EA nahe. Dazu gehören die Abraham-, die St. Joannes-, die Hohentors-, die Martini-, die Epiphanias-, die St. Markus-, die St. Mathäusgemeinde, das zentrale Missionsprojekt der BEK „Lighthouse“ und ausserhalb der BEK die Freikirchen sowie die reformierte Gemeinde in Rekum. Ebenso die Freie Evangelische Bekenntnisschule in Habenhausen, der CVJM, und die Heilsarmee.